Willkommen in meiner KopfKinoWerkstatt. Hier dreht sich alles um Geschichten – darum, wie sie entstehen, welche Menschen und Orte sie prägen und was manchmal zwischen ihren Zeilen verborgen liegt.

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Mittwoch, 29. Juli 2026

Eigentlich wollten wir nur in den Harz...

Als der Göttergatte mich neulich fragte, wohin wir dieses Jahr eigentlich in den Urlaub fahren wollen, musste ich sofort an unseren Harzurlaub im vergangenen Jahr denken.

„Schatz? Wohin fahren wir dies Jahr eigentlich in den Urlaub?“

„Wiesoooo…?“ Argwöhnischer Blick des Göttergatten in Kombination mit einem fünf Kilometer langen Fragewort.

„Wie wär's denn mal mit den deutschen Highlands?“ Breites Grinsen meinerseits.

„Die da wären... wo?“

„Harz?“ Unschuldiger Blick.

„Hat da nicht gerade erst eins deiner Bücher gespielt?“

„Joa...“

„Aha.“

„Aber nicht, dass wir nachher wieder mit zwei neuen Figuren im Gepäck nach Hause fahren“, schiebt er schnell hinterher.

„Kann ich nicht versprechen.“

Ich bin schon als Kind ständig mit Geschichten aus dem Urlaub zurückgekommen. Wieso sollte das heute anders sein? Nur die Plots haben sich im Laufe der Jahre vielleicht ein bisschen verändert. Oder vielleicht auch etwas mehr.

Während mein Mann sich beim Fahren auf die Straße konzentriert, über langsam vorwärtskriechende Lkws meckert und darüber nachdenkt, sich an der nächsten Tankstelle einen Kaffee zu holen, beobachte ich die an uns vorbeiziehende Landschaft und übe in Gedanken Show don’t tell.

Frisch gemähte Kornfelder sind bei mir nicht einfach nur Stoppelfelder, sondern eine Fläche, die in der Sommersonne golden glänzt.
Der Lkw vor uns fährt nicht nur einfach langsam, sondern quält sich schwer beladen den Berg hoch, um die geladenen Güter in den nächsten Supermarkt zu bringen.
„Der Himmel sieht aus, als habe man ihn mit schmutzigen Wattebäuschen dekoriert“, sinniere ich und deute aus dem Fenster.
„Ja, fängt bestimmt gleich an zu regnen“, stellt der Gatte nüchtern fest und überholt den Lkw.

Der Mann hat einfach keinen Sinn für Ästhetik, denke ich und bemerke gerade noch rechtzeitig aus den Augenwinkeln, dass wir demnächst an Osterode vorbeifahren.

Osterode. Stimmt, da war ja was.

„Du, Schatz?“ Ein breites, leicht debiles Grinsen breitet sich auf meinem Gesicht aus. „Wo wir schon mal hier sind… könnten wir vielleicht mal kurz…?“

Göttergatte wirft mir einen resignierten Blick zu. „Die Stadthalle fotografieren? Oder doch lieber gleich Noah besuchen?“

„Beides wäre mir auch recht.“ Ich grinse.

„Schon klar. Vielleicht solltest du in Zukunft Orte erfinden. Ist entspannter. Zumindest für mich.“ Er grinst ebenfalls und fährt von der Bundestraße ab in die Osteroder Innenstadt.

Anderthalb Stunden und gefühlte zehn Runden durch den Kreisel am Röddenberg später machen wir „noch schnell“ einen Abstecher an die Sösetalsperre, weil „Noahs erste Autofahrt doch schließlich dorthin ging.“

„Und wo jetzt hin?“, fragt der Göttergatte, als wir die Stadt wieder verlassen.

„Also, wenn du mich schon so fragst… Auf dem Weg nach St. Andreasberg kommen wir theoretisch auch an Eichenried vorbei…“

Nein, natürlich mache ich nicht nur Urlaub an den Orten, die in meinen Büchern eine Rolle spielen. Das könnte ich schon deshalb nicht, weil ich vermutlich niemals über den großen Teich fliegen würde.

Aber wenn ich schon – rein zufällig natürlich 😉 – in der Nähe bin, möchte ich einfach wissen, ob Realität und Fantasie zusammenpassen.

Und ehrlich? Eigentlich passiert auch genau das umgekehrt.

Ich komme selten an einen Ort, ohne dass mein Kopf daraus eine Geschichte macht. Manchmal ist es nur ein Satz. Manchmal eine Szene. Und manchmal entsteht aus einem einzigen Blick ein kompletter Plot.


Montag, 27. Juli 2026

Es war einmal… eine Shoppingtour ins Ruhrgebiet

 Oder – Wie ich mich zufällig in Noah Sandermanns Haut wiederfand.

Eigentlich wusste ich heute Morgen schon, dass ich für solche Trips nicht gemacht bin. Nicht erst, seit die fünf vor der Null steht, sondern schon immer. Spätestens, als mich meine Schwiegermutter vor 20 Jahren zur Weihnachtszeit mitten durch die Hamelner Innenstadt geschleift hat, weil sie mir unbedingt Klamotten kaufen wollte und ich bereits im dritten Laden stressbedingt so durchgeschwitzt war, als hätte ich im Wintermantel in der Sauna übernachtet, war mir klargewesen, dass ich Klamotten in Zukunft besser online bestellen sollte.

Trotzdem ließ ich mich von Mann und Tochter vor ein paar Tagen dazu überreden, zum Shoppen nach Oberhausen zu fahren. Ist ja auch nicht so, als hätten wir im Lipperland keine Geschäfte…

Um den Spaßfaktor noch ein bisschen zu erhöhen, war die Nacht aufgrund eines Konzertbesuchs gestern Abend nicht besonders lang gewesen, was meinen Körper allerdings nicht sonderlich zu interessieren schien. Anders kann ich es mir zumindest nicht erklären, dass ich – trotzdem die Uhr heute Nacht bereits halb 1 anzeigte, als ich ins Bett gefallen bin – mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks pünktlich um halb 7 signalisierte, dass seine Nacht vorbei sei. Seine, wohlgemerkt. Nicht die der Augen. Die hätten nämlich gerne noch 2 Stunden weitergeschlafen.
Wieso mein Mann heute Morgen um halb 7 schon so munter war, als hätte er mindestens doppelt so viel Schlaf gehabt, entzieht sich meiner Kenntnis. Bei Gelegenheit sollte ich ihn vielleicht mal danach fragen, ob es da irgendwelche Tricks gibt. Aber ich schweife vom Thema ab.

Mit nur 10 Minuten Verspätung („Stellt euch drauf ein, wir fahren um 8 Uhr los…!“ 🙄) ging‘s also auf die Autobahn Richtung Oberhausen. Dass mein Mann mich überhaupt noch freiwillig mitnimmt, grenzt nahezu an ein Wunder. Ich bin nämlich sozusagen der Prototyp eines schlechten Beifahrers und somit der Endgegner eines jeden Autofahrers – und sei er noch so geduldig und schweigsam. Es dauert somit dann auch nicht allzu lange, bis auch der liebevollste Göttergatte irgendwann nur noch genervt mit den Augen rollt, wenn die Frau neben ihm ständig signalisiert, dass er nicht Autofahren kann. Selbstredend natürlich, ohne auch nur ein einziges Wort zu verlieren. Ist auch gar nicht nötig. Ich kann das nämlich mit den Augen, Anspannung in den Beinen, einem dezenten Blick auf den Tacho und einem deutlichen Fingerzeig – wahlweise auf den Vordermann oder die Blitzer-Familie in gefühlt 1 km Entfernung.

Dank der Dose Energy, einer Geschwindigkeit jenseits von Gut und Böse und Rockmusik mit einer Lautstärke in Rockharz Niveau war an Schlaf auch nicht zu denken – abgesehen davon, dass ich mit geschlossenen Augen auch gar nicht in der Lage gewesen wäre, aufzupassen, dass der Mann bloß nicht übersieht, wenn 300 Meter vor uns jemand die Spur wechselt.
Immerhin war es dem Teenager auf der Rückbank egal, was um sie herum passierte. Die klappte ihre Augen nämlich erst wieder auf, als wir schon fast in Oberhausen waren.

So eine Autofahrt ist ja nur halb so lustig, wenn man sich nicht wenigstens einmal verfährt, weshalb wir eigentlich immer dafür sorgen, mindestens einmal die Abfahrt zu verpassen, auf die falsche Autobahn zu wechseln oder einfach gleich ganz in die falsche Richtung zu fahren. Also durfte natürlich auch heute eine kleine Extra-Rundreise nicht fehlen. Doch irgendwann hatten wir es dann schließlich doch geschafft, das Centro zu erreichen. Oder sollte ich besser von der Shopping-Stadt sprechen? Man weiß es nicht genau. Mir als Landei kam es jedenfalls von außen schon so vor, als hätte man kurzerhand den Planeten „Shopedia“ auf Oberhausen fallen lassen. Aber vielleicht war der Eindruck auch nur durch das Ufo-ähnliche Gebilde entstanden, das offenbar ein Spielcasino beherbergt.

Ich weiß nicht genau, was ich erwartet hatte, als wir das Shoppingcenter schließlich betraten, aber für einen Samstagmorgen um kurz vor elf war es noch erfreulich leer. Dass sich das im Laufe des Tages ändern würde, hätte mir eigentlich von vornherein klar sein sollen. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt und die hatte mir eingeflüstert, dass der Großteil derer, die in diesen Zeiten noch das Geld zum Shoppen haben, gerade auf dem Weg in den Urlaub sein würde. Immerhin haben schließlich gerade die Sommerferien begonnen.

Wie eigentlich immer, wenn wir irgendwo hinfahren, führte uns der erste Weg erstmal zur Toilette.
Es ist schon fast komisch. Man kann gerade noch gegangen sein, bevor man losgefahren ist oder kurz vorm Ziel unterwegs noch irgendwo angehalten haben (wenn man denn länger als die übliche halbe Stunde durch die Gegend gekurvt ist) – der erste Weg führt immer aufs Klo. Mich zumindest. Also erstmal rein ins (noch nicht vorhandene) Gewühl und immer der Beschilderung „Toiletten“ nach. Irgendwann unterwegs kam mir der Gedanke: „Vielleicht sollte man sich hier besser schon eine Stunde vorher überlegen, ob man aufs Klo muss.“
Also nicht, dass ihr jetzt denkt, wir hätten uns trotz der guten Beschilderung verlaufen. Zumindest behaupte ich das jetzt mal, denn zugegebenermaßen bin ich eigentlich nur Mann und Teenager hinterhergelaufen. Warum wir dann irgendwann vor den Toiletten im Obergeschoss standen, obwohl es dieselbe Einrichtung auch im Erdgeschoss gab… Die Frage kann ich nicht mit Sicherheit beantworten. Immerhin gab uns die Wanderung die Möglichkeit, uns einen ersten Überblick über Geschäfte zu verschaffen, deren Namen ich teilweise nicht mal aussprechen konnte. Geschweige denn, zu erkennen, wofür man dort sein sauer verdientes Einkommen ausgeben kann.

Ich bin mir sicher, dass wir die Sanitäranlagen nicht länger als nötig in Anspruch genommen haben, trotzdem hatte ich nach dem Pippigang irgendwie das Gefühl, einen Zeitsprung von mindestens 1 Stunde gemacht zu haben. Anders kann ich mir jedenfalls nicht erklären, warum sich die Anzahl der Shopping-Willigen in der Zwischenzeit verdoppelt zu haben schien. Statt gemütlich an den Schaufenstern vorbeizubummeln oder durch die Geschäfte zu streifen, kam ich mir plötzlich vor wie ein Hase, der auf der Flucht vor Verfolgern Haken schlägt und dabei aufpassen muss, dass er nicht über seine eigenen Füße stolpert. Und weil das allein viel zu langweilig geworden wäre, wurde die ganze Szenerie großzügig mit Musik untermalt, die in den unterschiedlichsten Variationen nicht nur durch die Mall dudelte, sondern zusätzlich auch noch aus den Geschäften kam. Zumindest kam es mir so vor – ganz sicher sagen kann ich es nicht.

So ein Einkaufszentrum verströmt ja außerdem auch seinen ganz eigenen – ich nenn’s mal wohlwollend – Duft. Würde diese Mischung aus Körperausdünstungen, Parfumnoten und dem Geruch nach Essen etwas weniger penetrant riechen, wäre vielleicht schon jemand auf die Idee gekommen, sie in Flaschen abzufüllen und teuer zu verkaufen.
Aber was nimmt man nicht alles in Kauf, wenn man gewillt ist, die Wirtschaft mit einem kleinen Teil vom Sparbuch zu unterstützen?

Um die Mittagszeit signalisierten unsere Mägen dann ziemlich deutlich, dass sie jetzt bitte dringend gefüttert werden möchten. Überflüssig, zu erwähnen, dass wir da natürlich nicht die einzigen waren, die die Idee hatten, die Fressmeile aufzusuchen. Zwischenzeitlich hatte sich die Menschenmenge in meinen Augen mindestens verdreifacht. Mir stellten sich sofort zwei Fragen: In welcher Schlange stellst du dich an, damit das Mittagessen nicht erst zum Abendbrot serviert wird und hast du darauf überhaupt Hunger? An Auswahl mangelte es zumindest nicht. Von indisch über türkisch, italienisch und japanisch bis hin zum goldenen M war alles dabei.
Von all den Möglichkeiten, die uns geboten wurden, suchten wir uns mit nahezu zielstrebiger Sicherheit den einzigen Imbiss aus, der das EC-Gerät offenbar nur zur Dekoration stehen hatte. Das Schild „Only Cash“ neben dem Gerät war zwar nicht zu übersehen und ich hab’s tatsächlich sogar wahrgenommen. Aber ganz offensichtlich hatte mein Kopf in dem Moment beschlossen, dass das absolut nicht logisch ist und deshalb auch vollkommen egal ist, dass ich nur 5 Euro Bargeld mit mir herumtrug.
Tja, dummerweise war die Information aber trotzdem ernst gemeint, da die Internetverbindung so schlecht sei, dass EC-Zahlung praktisch so gut wie unmöglich sei. Ähm ja, toller Witz. Wo ist die versteckte Kamera? Ich meine, Hallo? In Zeiten von Glasfaser, an einem Ort wie dem größten Shoppingcenter Deutschlands, das den Besuchern kostenfreies Wi-Fi anbietet… selten so gelacht.
Den Hinweis der Bedienung, dass man immer genug Bargeld dabeihaben müsse, höre ich immer noch in meinen Ohren. Oft genug hat sie ihn mir ja auch heruntergebetet, während wir uns minutenlang anstarrten. Ich sah mich schon durch die Mall traben auf der Suche nach einem Geldautomaten – irgendwo versteckt zwischen den Sanitäranlagen im Obergeschoss und dem BVB-Fanshop, bei dem ich mir eine halbe Stunde vorher eine Badewannen-Ente gekauft hatte. Dann seufzte Mamma Italiana hinter dem Tresen abgrundtief, schob mir das EC-Gerät zu und meinte, man könne es ja mal probieren. Und was soll ich euch sagen? Natürlich funktionierte es. 🤷 Wie übrigens auch bei dem Kunden nach mir, beim Dunkin Donuts Shop und in allen anderen Geschäften, die wir nicht ohne Tüte in der Hand verlassen haben.

Bepackt wie die Maulesel und platt wie nach einer Teilnahme am Iron Man – und nebenbei bemerkt um mehrere hundert Euro ärmer – schlichen wir irgendwann zur Kaffeezeit zurück zum Auto. Das heißt, zumindest hatten wir das vor.
Erinnert ihr euch noch daran, wie ich eingangs erwähnte, dass wir eigentlich immer irgendwo falsch abbiegen oder in die verkehrte Richtung unterwegs sind? Richtig. Wäre ja auch zu einfach gewesen, die Mall gleich durch den richtigen Eingang zu verlassen. Und auch nur der halbe Spaß gewesen, wenn wir schon beim Betreten des Parkhauses gesehen hätten, dass es das falsche ist. Natürlich sind wir erstmal in den Fahrstuhl gestiegen, auf Ebene 1 gefahren und zum Parkdeck A gelaufen. Nur, um da dann festzustellen, dass das Parkhaus die falsche Nummer hat. 🙄
Also wieder raus aus dem Parkhaus, rein ins Centro, auf der anderen Seite wieder raus, ins nächste Parkhaus rein. Und damit der Sportfaktor nicht zu kurz kommt, hatte der Fahrstuhl in der Zwischenzeit beschlossen, schon mal Feierabend zu machen. Soll mir nochmal jemand damit kommen, ich würde keinen Sport betreiben.
Ehrlich, ich hab‘ fast geheult, als wir endlich vor unserem Auto standen.

Und wer jetzt denkt „Oh wow, lustige Geschichte, sogar mit Happy End“, dem muss ich leider sagen: So weit sind wir noch lange nicht.
Denn wenn ihr glaubt, dass wir nun einfach das Parkhaus verlassen haben und nach Hause gefahren sind, dann täuscht ihr gewaltig. Ich glaube ja, dass die Stadt Oberhausen der wahre Erfinder von Labyrinthen ist. Anders kann ich mir jedenfalls nicht erklären, wieso wir 3 Runden durchs gesamte Parkhaus gedreht haben, bis wir die Ausfahrt gefunden hatten! Und ich schwöre euch: Mein Mann ist streng den Ausfahrtschildern gefolgt. Der nächste Weg führte uns dann erstmal zur Tankstelle. Wer will schon auf der Autobahn tanken oder gar dort liegenbleiben? Dasselbe Spielchen wie im Parkhaus hatten wir dann allerdings auch auf der Tanke. Denn auch die hatte sich ein ausgeklügeltes "Wir lassen sie nicht fahren" System ausgedacht. Immerhin kann ich euch jetzt genau sagen, an welcher Ecke des Grundstücks die Mülltonne steht, wo sich die Toiletten befinden und dass man, wenn man dann endlich mal auf der Straße angekommen ist, die Tankstelle dennoch großzügig ein weiteres Mal umrundet, bis man dann schlussendlich aus den Fängen dieser Stadt entlassen wird. Immerhin verlief dann aber der Rest der Rückfahrt ereignislos. Sie war so langweilig, dass ich sogar fast eingeschlafen wäre, wenn der Göttergatte nicht mit 150 über die Autobahn gebraten wäre.

Dieser Tag war vermutlich nicht mal halb so extrem, wie ich ihn beschrieben habe. Bzw. muss ich sagen, wie er mir vorgekommen ist. Denn tatsächlich ist es wirklich so, dass ich viele Dinge viel intensiver wahrnehme und wahrgenommen habe, als Mann und Teenager oder andere es wahrnehmen. Gerüche, Gedränge, Lautstärke, Unvorhergesehenes.
Ich habe den Beitrag nicht umsonst mit den Worten „Wie ich zufällig in Noahs Haut schlüpfte“ begonnen. Natürlich kannte ich dieses Gefühl und die Reizüberflutung vorher schon. Schon vor dem heutigen Tag und bevor ich meinen hochsensiblen Protagonisten in die Shopping Mall katapultiert habe. Aber das heute nochmal selbst zu erleben, während ich gerade dabei bin, all diese Dinge in einem meiner Bücher zu thematisieren, war tatsächlich äußerst hilfreich.

Zu guter Letzt bleibt mir eigentlich nur noch eines zu sagen: Es war ein durchaus anstrengender, aber auch schöner Tag, an dessen Ende ich aber sagen kann: Danke, jetzt weiß ich, wie das Centro von innen aussieht, hab die Gelegenheit genutzt, mir ein paar DocMartens zu kaufen. Aber nochmal brauche ich das nicht.

Samstag, 25. Juli 2026

Andere Hobbys kosten auch Geld...

Oder die Frage danach, ob man vom Bücherschreiben reich wird.

Zugegeben – bevor ich selbst angefangen habe zu schreiben, waren Autoren für mich Menschen, die irgendwo in einer einsamen Holzhütte an einem See sitzen, mit einem Becher dampfenden Kaffee in der Hand in den Sonnenuntergang starren und anschließend bis spät in die Nacht vor einer uralten mechanischen Schreibmaschine sitzen. Während der Berg aus Papierkugeln auf dem Boden vor ihrem Schreibtisch unaufhörlich wächst. Und so sehr sie sich auch die Haare raufen, über ihre Schreibblockade schimpfen und nahezu menschenscheu werden – am Ende erblickt dann doch ein Buch das Licht der Welt, das in rasender Geschwindigkeit zum Bestseller mutiert. Wäre es ein Sportwagen, würde man vermutlich so etwas sagen wie „Von 0 auf 100 in unter 3 Nanosekunden“. 🤭

Der Autor (oder die Autorin) – der natürlich bereits bekannt bis in die Haarspitzen ist – wird für sein neuestes Werk gefeiert, über den grünen Klee gelobt und Fans campieren daraufhin bereits tagelang vor den Buchläden, um eines der begehrten Exemplare zu erhalten. Man denke zum Beispiel an J.K. Rowlings Harry Potter Reihe.

Wie gesagt: Das war meine romantische Vorstellung von Autoren, als ich selbst noch Bücher nur konsumiert habe. Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der Bücher nur dann in den Handel kamen, wenn der Autor bei einem Verlag unter Vertrag stand. So etwas wie Selfpublishing gab es in den 80ern noch nicht. Zumindest nicht so, wie wir es heute kennen und nutzen. Für mich war klar: Steht das Buch beim Händler im Regal, muss das Talent dahinter groß genug sein, dass ein Verlag dem Schöpfer Geld dafür anbietet, um es verkaufen zu dürfen.

Dass nicht nur ich diese etwas verklärte Sicht auf die Schriftstellerei habe, sagen mir die immer wiederkehrenden Fragen nach dem Verdienst. Spätestens dann, wenn ich auf die Frage nach meinen Hobbys mit der Aussage „Ich schreibe Bücher“ geantwortet habe, taucht sie unweigerlich auf. Die Frage danach, wie viel ich damit verdiene. Vielleicht nicht prominent an erster Stelle, doch spätestens, nach dem „Warum“ und „Was“ taucht in den Augen der meisten Gesprächspartner langsam, aber sicher das Dollarzeichen auf. Ganz schön frech, findet ihr nicht? 😉 Jemand, der seine Freizeit damit verbringt, Socken zu stricken oder mit dem Fahrrad durch die Landschaft zu düsen, wird doch auch nicht danach gefragt, ob ihm das irgendwas einbringt. Warum also geht man bei uns Künstlern automatisch davon aus, dass wir mit dem, was wir erschaffen, Geld verdienen müssen? Warum misst man das Talent eines Künstlers daran, ob er reich ist?

Es ist noch gar nicht so lange her, da hat mir im Gespräch mal jemand folgendes gesagt: „Wenn du so viel Zeit investierst, um Bücher zu schreiben, dann musst du sie auch verkaufen. Sonst ist das Zeitverschwendung. Und wenn du keine verkaufst, dann hast du kein Talent und solltest dir ein anderes Hobby suchen.“ Ich erspare mir und euch jetzt mal, wer mir diese unschöne Meinung entgegengebraten hat.

Ich glaube, das Wichtigste daran ist doch, für sich selbst zu wissen, warum man es tut. Warum man sich dieses Hobby ausgesucht hat. Ob man zufrieden damit ist, nur für sich selbst zu schreiben. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten (zumindest kann ich das für mich sagen): Wenn ich mich an eine Geschichte setze und primär daran denke, dass ich damit möglichst viel Geld verdienen möchte, dann würde sie nie so werden, wie sie sein würde, wenn ich sie nur für mich schreibe. Nicht umsonst werden musikalische Künstler oft dafür kritisiert, zu sehr Mainstream zu werden, nachdem sie bekannt geworden sind.

Ich würde nie die Art und Weise, wie ich meine Geschichten erzähle deshalb ändern oder eine ganz andere Art von Geschichten schreiben, weil ich damit eine breitere Masse erreiche und so mehr Geld verdienen kann. Das hat schon so ein bisschen was von „Seele verkaufen“, oder nicht? 😉

Bücher zu schreiben – oder vielleicht sollte ich besser sagen, Geschichten zu erzählen – ist auch nur ein Hobby. Ich könnte euch zumindest niemanden nennen – auch oder vor allem keinen von den Großen – der über Nacht Bestsellerautor geworden ist oder eines Morgens mit dem Gedanken aufgestanden ist, ein Schriftsteller werden zu wollen.

Natürlich lügt man sich selbst etwas vor, wenn man veröffentlicht und gleichzeitig behauptet, dass einem das Geld egal ist. Ginge es nämlich um nicht mehr als darum, seine Geschichten mit anderen zu teilen, könnte man sich auf eine der mehr als zahlreichen Plattformen beschränken, die das Internet zu bieten hat. Und selbst dort kann man ja mittlerweile über Abo Systeme dafür sorgen, dass man nicht ganz leer ausgeht. Natürlich freut man sich darüber, wenn man am Monatsende wieder ein paar neue Leser gewonnen hat. Man freut sich über jeden positiven Kommentar und über jeden Euro, der am Monatsende in die eigene Tasche wandert. Natürlich hofft man darauf, dass sich die monatlichen Ausgaben, die man ohne dieses Hobby nicht hätte, irgendwie selbst finanzieren.

Aber seien wir doch mal ehrlich… Man sucht sich ein Hobby doch nicht primär danach aus, ob es sich rechnet, oder nicht? Die meisten Dinge, die man in seiner Freizeit tut, rechnen sich nicht. Man tut sie, weil man sich gut damit fühlt. Weil sie einem etwas viel Wertvolleres einbringen, als Erfolg oder Geld.
Ich habe vier Jahre lang in einem Verein Bogenschießen betrieben. Jedes Jahr habe ich meine Vereinsbeiträge bezahlt – für den Schützenverein und die Bogensportabteilung zusammen rund 100 Euro. Meine Ausrüstung hat mich im Laufe der Zeit locker 2.000 Euro gekostet. Und wisst ihr, wie oft mich jemand gefragt hat, ob sich das rechnet? Kein einziges Mal.
Es gibt Menschen, die gönnen sich einmal im Monat einen Wellnesstag. Kostet Geld und bringt nicht mehr als Erholung.
Andere sitzen stundenlang vor ihrer Spielkonsole und ballern auf Zombies oder fahren Autorennen. Um Stress abzubauen oder für eine Weile ihre Ruhe zu haben.

Und ich schreibe Geschichten, weil ich dadurch nicht nur meinen Verstand und meine Fantasie wachhalte, sondern auch eine ganze Menge über mich selbst lerne. Und ob mir das nun 50 oder 500 Euro im Monat einbringt, ist doch eigentlich erstmal nebensächlich, oder nicht? 😉

Denn am Ende sind Geschichten für mich keine Einnahmequelle geworden. Sie sind ein Teil meines Lebens. Und genau deshalb werde ich sie weitererzählen – unabhängig davon, was am Monatsende auf der Abrechnung steht.

Sonntag, 19. Juli 2026

Warum ich plötzlich Skye Campbell hieß

Diese Frage gehört tatsächlich zu denen, die mir häufig gestellt werden. Und ehrlich gesagt ganz oft auch die, die ich mir selbst stelle.

Und ich glaube, würde ich heute nochmal ganz neu anfangen und müsste darüber nachdenken, unter welchem Namen ich meine Geschichten veröffentliche, würde ich ihn wesentlich bewusster wählen.

Als ich „Weit entfernt von gestern“ schrieb – nein, ich sollte sogar sagen, als die Geschichte in meinem Kopf entstand – da war ich mir mit nur einer Sache wirklich sicher. Nämlich, dass mein Lieblingsland eine Rolle bekommen musste. Der Witz daran ist eigentlich, dass ich bisher nie in Schottland war und trotzdem eine solche Sehnsucht nach diesem Land habe, als würde ich irgendwie dorthin gehören. Dass ich es bisher nicht geschafft habe, dieses Land zu besuchen liegt eigentlich nur daran, dass – wieder einmal – das Leben dazwischenkam. Ich will das auch gar nicht weiter ausführen, denn das gehört nicht hierher. Tatsache ist jedoch, dass mich die Weiten dieses Landes, die Mentalität der Menschen und die Geschichte schon sehr lange faszinieren. Deshalb brauchte ich überhaupt nicht darüber nachzudenken, wohin sich meine Protagonistin zurückzieht, um ihr verkorkstes Liebesleben auf die Reihe zu kriegen.

Als ich damals nach einem passenden Namen suchte, war ich fest davon überzeugt, dass – wenn ich tatsächlich weiterschreiben würde – meine Geschichten selbstverständlich alle in Schottland spielen würden. Im Grunde genommen ging es in meinem Kopf doch immer nur um die Frage „Wie sähe mein Leben im Idealfall aus?“ Und dazu gehörte für mich immer auch, dass ich in den Highlands leben würde. Also machte ich mich auf die Suche nach dem Namen, den ich in einem solchen Ideal-Leben wohl hätte.

Natürlich hätte ich auch Fiona MacLeod, Morag MacKenzie oder Isla Fraser heißen können. 🤭 Aber ich wollte nicht einfach irgendetwas nehmen, das schottisch klingt. Ich wollte einen Bezug zu dem Namen haben. Und den habe ich in einer Geschichte gefunden, die ich lange für mich behalten habe, weil ich sie selbst für ein bisschen verrückt halte.

Aber wir sind hier ja unter uns. Ich erwarte gar nicht, dass das jeder genauso sieht wie ich. Aber zu der Geschichte, warum ich Skye Campbell heiße und nicht Cara Bennett oder Else Schnellse, gehört auch diese Erfahrung.

Es gibt Träume – und es gibt Träume. Manche hat man bereits vergessen, wenn man morgens die Augen öffnet. Manche träumt man einmal, wundert sich drüber und hakt sie danach ab. Und manche kehren immer wieder und man erlebt Dinge so detailgetreu und bewusst, dass man sich fragt, ob es sich dabei nicht vielleicht eher um ein Déjà-vu handelt. Es ist schon einige Jahre her, dass ich einen Traum hatte, der immer wiederkehrte. Und wenn ich von Traum spreche, dann meine ich ausnahmsweise keine Kopfkinogeschichte, die ich mir selbst ausgedacht hatte, sondern Bilder, die mich am nächsten Morgen verstört aufwachen ließen.

Ich träumte von einer Burg, irgendwo in einem Waldgebiet, sah mich als junges Mädchen über den Innenhof laufen, während um mich herum Männer miteinander kämpften. Sah einen jungen Mann, der seine Hand nach mir ausstreckte und mich mit sich zog. Weg von der Burg, in den Wald hinein. Ich will das gar nicht ins Detail ausführen, denn diese Geschichte allein würde vermutlich schon zumindest für eine Kurzgeschichte reichen. Was mich daran verstörte, waren weniger die Geschehnisse an sich, sondern mehr die Tatsache, wie deutlich erkennbar das alles für mich war. Ich sah Schwerter aufblitzen, einen Durchgang zum Burginneren, schmale Nischen in den Burgmauern. Das ganze Areal war für mich so real, als wäre ich schon einmal dort gewesen. Also begann ich, nach dieser Burg zu recherchieren mit allen Details, die ich aus dem Traum hatte. Es hat mich Monate gekostet, mich durch etliche Internetseiten und Bildergalerien geführt, bis ich schließlich in einem Land landete, das ich bis dahin überhaupt nicht auf dem Schirm hatte: Schottland.

Ich klickte mich mal wieder durch eine Galerie von Burgen und Schlössern – und wer Schottland kennt, der weiß, wie viele dieser Gemäuer es dort gab und gibt – und plötzlich stockte mir der Atem. Nein, eigentlich hatte ich sogar eher das Gefühl des Wiedererkennens. Nicht so, wie man auf einem Foto etwas wiedererkennt, was man irgendwo anders schon mal gesehen hat. Sondern – erklärt mich für verrückt, wenn ich das so beschreibe, aber – es war, als würde ich mein Zuhause im Internet betrachten. Und in dem Moment war mir klar, dass ich wenigstens einmal in meinem Leben nach Schottland muss, um „meine Burg“, mein Castle Campbell zu besuchen.

Ich weiß nicht, ob das wirklich Erinnerungen an ein früheres Leben waren oder einfach nur außergewöhnlich lebhafte Träume. Ich habe auch nie herausgefunden, aus welcher Zeit diese Szenen stammen könnten, die ich gesehen habe. Aber ab dem Moment, in dem ich Castle Campbell gefunden hatte, fühlte ich mich merkwürdig verbunden damit.

Und als ich Jahre später nach einem Pseudonym für mich suchte und davon überzeugt war, dass Schottland die Heimat meiner Geschichten werden würde, da wusste ich, dass der Name dieser Autorin nur Campbell sein konnte.

Warum daraus dann Skye Campbell wurde und nicht etwa Fiona, Morag oder Isla, hat einen schon fast langweiligen Grund. Da ich mich einfach nicht entscheiden konnte, welcher der – übrigens von einer KI vorgeschlagenen – Vornamen am besten zu Campbell passte, wählte ich irgendwann einfach den Namen, den ich dem Hund der Protagonistin verpasst hatte. Skye.

Ich habe eingangs gesagt, wenn ich nochmal neu anfangen würde, würde ich diesmal bewusster darüber nachdenken. Geschichten gehören nicht immer an den Ort, für den man sich einmal entschieden hat. Manchmal passen die Gegebenheiten nicht. Manchmal fühlt es sich einfach nicht richtig an – und manchmal weigern sich die Figuren schlicht und ergreifend, dorthin zu ziehen. 🤭

Und so wurde dann aus Skye Campbell, die Liebesgeschichten der Highlands erzählen wollte, eine Autorin, die schon seit einer ganzen Weile im Harz gefangen gehalten wird. Hätte ich damals gewusst, dass mir die „deutschen Highlands“ fast genauso gut gefallen wie die schottischen, hätte ich mich wohl für einen etwas neutraleren Namen entschieden. Aber letztlich kommt es ja weniger darauf an, was auf dem Cover steht als darauf, was sich zwischen den Buchdeckeln befindet.

Donnerstag, 16. Juli 2026

Wie aus einer Reihe Kopfkinofilme Liebesromane wurden

Eigentlich wollte ich nie Autorin werden. Oder besser gesagt: Ich konnte mir nie vorstellen, dass aus dem, was in meinem Kopf passiert, Romane werden könnten. Auch wenn ich schon immer gerne geschrieben habe.

Früher waren es seitenweise Einträge ins Tagebuch, Artikel für die Schülerzeitung – eine Weile habe ich sogar mit meiner besten Freundin eine eigene kleine Zeitung für unser Kleckerdorf verfasst. Wir waren gerade mal 12 oder 13, als wir die Idee für unser „Tageblatt“ hatten. Geschrieben auf einer alten mechanischen Schreibmaschine, mit selbstgemalten Wasserfarben-Bildern, verziert mit Stickern und zusammengehalten von geflochtenen Bändern aus Omas Sockenwolle.

Wenn mich damals jemand gefragt hätte, was ich später mal machen möchte, hätte ich vermutlich gesagt: Ich will Menschen mit Nachrichten versorgen. Geschichten recherchieren, über Ereignisse informieren und Artikel veröffentlichen. Hätte ich damals die Möglichkeit gehabt, hätte ich vermutlich sogar Journalismus studiert.

Doch das Leben hatte andere Pläne mit mir. Stattdessen erlebte ich viele dieser Geschichten selbst.

Gute und weniger gute.

Lustige und traurige.

Geschichten mit Happy End und solche, die nie ein Ende gefunden haben.

Ich erlebte Dinge, die nie die Chance hatten, zu einer Geschichte zu werden.

Und irgendwann begann ich, all diese Erlebnisse nicht nur zu hinterfragen, sondern mir vorzustellen, wie mein Leben wohl verlaufen wäre, wenn ich an der ein oder anderen Kreuzung links statt rechts abgebogen wäre. 🤭
Und jeden Abend, wenn es dunkel wurde, ich mir die Decke über meinen Kopf zog und die Augen schloss, wurde ich zur Produzentin meiner eigenen Kopfkinofilme. Mal waren es nur kleine Episoden, mal Filme in Überlänge – je nachdem, wie lange ich brauchte, um einzuschlafen. All diese Geschichten wurden zu genau dem: einer Einschlafhilfe. Auch heute noch.

Ich stellte mir vor, wie es gewesen wäre, woanders aufzuwachsen. Dachte darüber nach, wohin es mich geführt hätte, hätte ich einen anderen Beruf ergriffen. Malte mir aus, wie mein Leben heute aussehen würde, wäre ich in dem ein oder anderen Moment mutiger und selbstbewusster gewesen. All diese Kopfkinofilme haben auch heute noch eine Sache gemeinsam: Sie sorgen dafür, dass ich heute genau weiß, was ich will. Wie ich sein möchte, was ich von mir selbst und den Menschen um mich herum erwarte und wie ich mir mein Leben und die Liebe vorstelle.

Das alles erklärt aber ja natürlich noch nicht, wie aus der schüchternen, unscheinbaren Teenagerin schließlich eine Autorin wurde, die mittlerweile durchaus in der Lage ist, offen auf andere zuzugehen und sich nicht dafür schämt, zuzugeben, dass sie Liebesromane schreibt. Bis zu diesem Punkt war es nämlich noch ein ziemlich weiter Weg.

Angefangen hat das alles eigentlich damit, dass meine Ehe nach 20 Jahren plötzlich in extreme Schieflage geriet und sich mein Kopfkino nur noch mit der Frage beschäftigte, wie ich mir meinen Mann und unsere Beziehung eigentlich vorstellte. Oder besser (und vor allem ehrlicher) gesagt, flüchtete ich mich gedanklich in die Arme meiner ersten großen Liebe. 😳
Unabhängig davon, dass ich ihn nie richtig kennengelernt habe und deshalb überhaupt nicht sagen kann, ob er zumindest ansatzweise so ist, wie ich ihn mir vorgestellt habe, hat er in diesem Film natürlich all meinen Ansprüchen nicht nur entsprochen, sondern sie sogar noch übertroffen. Liebesgeschichten machen es eben möglich. 🤷‍♀️
Er war nicht mal perfekt in diesem Kinofilm. Aber er brachte all das mit, was mir an meinem Mann fehlte.

Und so entstand im Kopf die Geschichte, die ihr unter dem Titel „Weit entfernt von gestern“ kennt.

Ich hatte damals gar nicht vor, die Geschichte zwischen zwei Buchdeckel zu pressen und sie zum Kauf anzubieten. Ja, ich wollte sie nicht mal im Internet veröffentlichen. Alles, was ich wollte, war, sie nicht nur in meinem Kopf zu haben, sondern sie aufzuschreiben und in Buchform in mein eigenes Bücherregal stellen. 
Ich hätte sie niemals einem Verlag angeboten, denn dafür war und ist sie in meinen Augen überhaupt nicht gut genug. Schließlich hatte ich nichts weiter getan, als meine Gedanken aufzuschreiben. Weder hatte ich mir Gedanken über die Entwicklung meiner Figuren gemacht noch darüber, ob die Geschichte in den Augen von Lesern überhaupt nachvollziehbar war. Es war mir auch vollkommen egal, ob mir irgendjemand einen Vogel zeigt und sagt: „Also, das funktioniert so aber nicht. Und an dieser und jener Stelle hast du aber maßlos übertrieben.“ Also suchte ich mir eine Möglichkeit, es nur für mich drucken zu lassen und landete so bei epubli.

Ich kann nicht mal genau sagen, warum ich das Buch nicht unter meinem richtigen Namen drucken ließ. Vielleicht lag es daran, dass es trotz allem irgendwo zum Verkauf angeboten werden würde. Vielleicht hatte ich aber auch damals zumindest unbewusst ein bisschen im Hinterkopf, vielleicht doch weiterzuschreiben. Zumal sich in meinem Kopf auch bereits die nächste Geschichte festsetzte und ich bereits darüber nachdachte, sie aufs Papier zu bringen. 
Doch damit ins Rampenlicht treten? Niemals. 
Tatsächlich war es mir anfangs sogar peinlich, kein „normales“ Hobby zu haben. Andere werkeln in ihrer Freizeit im Garten rum, fahren Fahrrad oder stricken Socken. Während ich oft stundenlang vor dem Laptop sitze. Wollte ich das auch noch offen zur Schau stellen? Nein, wollte ich nicht. 
Also musste vorsichtshalber ein Pseudonym her. Warum ich dafür nicht einen offensichtlich deutschen Namen gewählt habe, sondern schließlich zu Skye Campbell wurde, das soll an dieser Stelle vorerst offenbleiben. Das ist nämlich genug Stoff für einen späteren Beitrag.

Aus einem Buch wurden bald zwei, dann drei. Mittlerweile stehen eine ganze Reihe Skye Campbell Bücher in meinem Regal und fast immer ist gerade ein neues in Arbeit. Die Geschichten fliegen mir oft so spontan zu, dass ich sie gar nicht so schnell erzählen kann, wie ich möchte. 
Und noch eine Sache hat sich verändert. Meine eigene Einstellung dazu. 
Während meine ersten Romane noch nur von meiner besten Freundin gelesen wurden, gesellten sich im Laufe der Zeit weitere Leser dazu. Arbeitskollegen, Familie – und mittlerweile eine beachtliche Anzahl an Followern im Internet. Ich behaupte nicht, die neue Cecilia Ahern oder Jenny Han zu sein, aber offenbar gibt es doch eine Reihe an Menschen, die gut finden, was ich schreibe. Und so ist auch die Resonanz der Personen in meinem Umfeld, die davon wissen, deutlich positiver, als ich befürchtet hatte.

Und mit diesem Bewusstsein passierte schließlich auch das, weshalb es diesen Blog überhaupt gibt. Warum Skye Campbell nicht mehr nur eine Frau ist, die nach Feierabend ihre Kopfkinofilme in Romane verwandelt, sondern die sich im Laufe der Zeit damit eine Marke aufgebaut hat. Und der klargeworden ist, dass sie mit dem, was sie tut, andere Menschen erreichen kann. Wenn sie sich denn traut, wenigstens ein bisschen sichtbarer zu werden, als sie es in der Vergangenheit war.

Und darum würde ich euch hier – auf meiner Website und in meiner KopfKinoWerkstatt gerne ein Stück weit mitnehmen in meine Welt. Um euch nicht nur die fertigen Ergebnisse zu präsentieren, sondern auch zu zeigen, wie sie entstehen und was alles dahintersteckt.

Wenn ihr also nicht nur wissen möchtet, was in meinem Kopf entsteht, sondern auch, woher das alles kommt und wie die Autorin so tickt, dann freue ich mich darauf, euch in Zukunft mehr darüber erzählen zu können.

Herzlich Willkommen in der KopfKinoWerkstatt.