Willkommen in meiner KopfKinoWerkstatt. Hier dreht sich alles um Geschichten – darum, wie sie entstehen, welche Menschen und Orte sie prägen und was manchmal zwischen ihren Zeilen verborgen liegt.

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Samstag, 25. Juli 2026

Andere Hobbys kosten auch Geld...

Oder die Frage danach, ob man vom Bücherschreiben reich wird.

Zugegeben – bevor ich selbst angefangen habe zu schreiben, waren Autoren für mich Menschen, die irgendwo in einer einsamen Holzhütte an einem See sitzen, mit einem Becher dampfenden Kaffee in der Hand in den Sonnenuntergang starren und anschließend bis spät in die Nacht vor einer uralten mechanischen Schreibmaschine sitzen. Während der Berg aus Papierkugeln auf dem Boden vor ihrem Schreibtisch unaufhörlich wächst. Und so sehr sie sich auch die Haare raufen, über ihre Schreibblockade schimpfen und nahezu menschenscheu werden – am Ende erblickt dann doch ein Buch das Licht der Welt, das in rasender Geschwindigkeit zum Bestseller mutiert. Wäre es ein Sportwagen, würde man vermutlich so etwas sagen wie „Von 0 auf 100 in unter 3 Nanosekunden“. 🤭

Der Autor (oder die Autorin) – der natürlich bereits bekannt bis in die Haarspitzen ist – wird für sein neuestes Werk gefeiert, über den grünen Klee gelobt und Fans campieren daraufhin bereits tagelang vor den Buchläden, um eines der begehrten Exemplare zu erhalten. Man denke zum Beispiel an J.K. Rowlings Harry Potter Reihe.

Wie gesagt: Das war meine romantische Vorstellung von Autoren, als ich selbst noch Bücher nur konsumiert habe. Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der Bücher nur dann in den Handel kamen, wenn der Autor bei einem Verlag unter Vertrag stand. So etwas wie Selfpublishing gab es in den 80ern noch nicht. Zumindest nicht so, wie wir es heute kennen und nutzen. Für mich war klar: Steht das Buch beim Händler im Regal, muss das Talent dahinter groß genug sein, dass ein Verlag dem Schöpfer Geld dafür anbietet, um es verkaufen zu dürfen.

Dass nicht nur ich diese etwas verklärte Sicht auf die Schriftstellerei habe, sagen mir die immer wiederkehrenden Fragen nach dem Verdienst. Spätestens dann, wenn ich auf die Frage nach meinen Hobbys mit der Aussage „Ich schreibe Bücher“ geantwortet habe, taucht sie unweigerlich auf. Die Frage danach, wie viel ich damit verdiene. Vielleicht nicht prominent an erster Stelle, doch spätestens, nach dem „Warum“ und „Was“ taucht in den Augen der meisten Gesprächspartner langsam, aber sicher das Dollarzeichen auf. Ganz schön frech, findet ihr nicht? 😉 Jemand, der seine Freizeit damit verbringt, Socken zu stricken oder mit dem Fahrrad durch die Landschaft zu düsen, wird doch auch nicht danach gefragt, ob ihm das irgendwas einbringt. Warum also geht man bei uns Künstlern automatisch davon aus, dass wir mit dem, was wir erschaffen, Geld verdienen müssen? Warum misst man das Talent eines Künstlers daran, ob er reich ist?

Es ist noch gar nicht so lange her, da hat mir im Gespräch mal jemand folgendes gesagt: „Wenn du so viel Zeit investierst, um Bücher zu schreiben, dann musst du sie auch verkaufen. Sonst ist das Zeitverschwendung. Und wenn du keine verkaufst, dann hast du kein Talent und solltest dir ein anderes Hobby suchen.“ Ich erspare mir und euch jetzt mal, wer mir diese unschöne Meinung entgegengebraten hat.

Ich glaube, das Wichtigste daran ist doch, für sich selbst zu wissen, warum man es tut. Warum man sich dieses Hobby ausgesucht hat. Ob man zufrieden damit ist, nur für sich selbst zu schreiben. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten (zumindest kann ich das für mich sagen): Wenn ich mich an eine Geschichte setze und primär daran denke, dass ich damit möglichst viel Geld verdienen möchte, dann würde sie nie so werden, wie sie sein würde, wenn ich sie nur für mich schreibe. Nicht umsonst werden musikalische Künstler oft dafür kritisiert, zu sehr Mainstream zu werden, nachdem sie bekannt geworden sind.

Ich würde nie die Art und Weise, wie ich meine Geschichten erzähle deshalb ändern oder eine ganz andere Art von Geschichten schreiben, weil ich damit eine breitere Masse erreiche und so mehr Geld verdienen kann. Das hat schon so ein bisschen was von „Seele verkaufen“, oder nicht? 😉

Bücher zu schreiben – oder vielleicht sollte ich besser sagen, Geschichten zu erzählen – ist auch nur ein Hobby. Ich könnte euch zumindest niemanden nennen – auch oder vor allem keinen von den Großen – der über Nacht Bestsellerautor geworden ist oder eines Morgens mit dem Gedanken aufgestanden ist, ein Schriftsteller werden zu wollen.

Natürlich lügt man sich selbst etwas vor, wenn man veröffentlicht und gleichzeitig behauptet, dass einem das Geld egal ist. Ginge es nämlich um nicht mehr als darum, seine Geschichten mit anderen zu teilen, könnte man sich auf eine der mehr als zahlreichen Plattformen beschränken, die das Internet zu bieten hat. Und selbst dort kann man ja mittlerweile über Abo Systeme dafür sorgen, dass man nicht ganz leer ausgeht. Natürlich freut man sich darüber, wenn man am Monatsende wieder ein paar neue Leser gewonnen hat. Man freut sich über jeden positiven Kommentar und über jeden Euro, der am Monatsende in die eigene Tasche wandert. Natürlich hofft man darauf, dass sich die monatlichen Ausgaben, die man ohne dieses Hobby nicht hätte, irgendwie selbst finanzieren.

Aber seien wir doch mal ehrlich… Man sucht sich ein Hobby doch nicht primär danach aus, ob es sich rechnet, oder nicht? Die meisten Dinge, die man in seiner Freizeit tut, rechnen sich nicht. Man tut sie, weil man sich gut damit fühlt. Weil sie einem etwas viel Wertvolleres einbringen, als Erfolg oder Geld.
Ich habe vier Jahre lang in einem Verein Bogenschießen betrieben. Jedes Jahr habe ich meine Vereinsbeiträge bezahlt – für den Schützenverein und die Bogensportabteilung zusammen rund 100 Euro. Meine Ausrüstung hat mich im Laufe der Zeit locker 2.000 Euro gekostet. Und wisst ihr, wie oft mich jemand gefragt hat, ob sich das rechnet? Kein einziges Mal.
Es gibt Menschen, die gönnen sich einmal im Monat einen Wellnesstag. Kostet Geld und bringt nicht mehr als Erholung.
Andere sitzen stundenlang vor ihrer Spielkonsole und ballern auf Zombies oder fahren Autorennen. Um Stress abzubauen oder für eine Weile ihre Ruhe zu haben.

Und ich schreibe Geschichten, weil ich dadurch nicht nur meinen Verstand und meine Fantasie wachhalte, sondern auch eine ganze Menge über mich selbst lerne. Und ob mir das nun 50 oder 500 Euro im Monat einbringt, ist doch eigentlich erstmal nebensächlich, oder nicht? 😉

Denn am Ende sind Geschichten für mich keine Einnahmequelle geworden. Sie sind ein Teil meines Lebens. Und genau deshalb werde ich sie weitererzählen – unabhängig davon, was am Monatsende auf der Abrechnung steht.

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