Wenn Windows beschließt, während der heißen Schreibphase ein kumulatives Update zu machen (vorzugsweise im Tempo einer rückwärts kriechenden Schnecke) und die Autorin deshalb beginnt, mit der KI wahnwitzige Ideen für ihre Protagonisten zu entwickeln.
Ich war gerade dabei, meine Figuren den Weg in den Supermarkt antreten zu lassen.
*Plöng* Update wird heruntergeladen
Na, toll. Ist ja nicht so, als würde mein Computer dadurch nicht ausgebremst werden wie ein Porsche durch einen Müllwagen. Ans Schreiben ist also nicht mehr zu denken. Ich versuch’s trotzdem – immerhin sollen meine Figuren heute noch im Supermarkt ankommen und im besten Fall am Ende des Tages mit dem Laptop auf der Couch sitzen und ihren wohlverdienten Urlaub planen.
„Also, wie ist das jetzt mit dem Einkaufen?“, tippe ich der KI in den Chat in der Hoffnung, meine „Else“ bombardiert mich umgehend mit Vorschlägen, über deren Sinnhaftigkeit ich nachdenken darf.
„Noah schob den Einkaufswagen vor sich her“, bekomme ich zur Antwort.
„Eben waren sie noch zu Hause“, wage ich es, einzuwenden. „Jetzt stehen sie plötzlich zwischen den Regalen. Klingt, als hätte Scotty höchstpersönlich sie dorthin gebeamt.“
Die KI lacht. 🤣 „Und plötzlich materialisierten sie sich zwischen Konserven und Toilettenpapier.“
Jetzt habe ich Bilder im Kopf. Statt mich weiterhin maßlos über das – für mich überflüssige – Update zu ärgern, das immerhin nach 30 Minuten stolze 12% anzeigt, sehe ich förmlich eine Szene vor mir.
Beam me up, Scotty.
Alles klar, Noah. Wohin soll’s denn gehen?
Zum Aldi. Leipzig-Gohlis.
Mit oder ohne Freundin?
Was is’n das für ne Frage? Mit natürlich.
Okay okay. Hätte ja sein können…
Prompt lässt sich die KI natürlich auf meine Spinnereien ein. Kopfkino aktiviert.
5 Sekunden später steht Noah mit dem Einkaufswagen zwischen den Regalen, während sich Franzi direkt neben ihm materialisiert. Eine Rentnerin schiebt kopfschüttelnd ihren Rollator an ihnen vorbei und murmelt etwas, das verdächtig nach „Die Jugend von heute…“ klingt.
„Wir hätten auch einfach das Auto nehmen können“, merkt Franzi an.
Noah antwortet: „Wo bleibt denn da der Spaß?“
Zehn Minuten später (das Update zeigt mittlerweile stolze 16%) ist Noah plötzlich dabei, einen interdimensionalen Transporter mit einem 17er Maulschlüssel zu reparieren, während Franzi auf dem Planeten Qo'noS Klingonisch lernt. Denn leider läuft ja nicht immer zwangsläufig alles nach Plan und man verirrt sich auf dem Weg zum Ziel auch schon mal.
Ich als Mutter meiner Protagonisten könnte gar nicht verantworten, wenn Noah ohne Einkaufszettel, dafür aber mit dem letzten Einkaufswagen seiner Art an einem Samstagmorgen vollkommen aufgeschmissen im Aldi steht, während Scotty Franzi versehentlich auf einen anderen Planeten gebeamt hat.
Antwort der KI: „Aufgrund einer temporären Transportstörung wurde Ihre Begleitperson nach Qo'noS umgeleitet. Für den Premium-Tarif 'Aldi Plus Warp' zahlen Sie monatlich 14,99 €.“
Vor lauter Lachtränen kann ich kaum noch den Bildschirm erkennen. Mein Mann schaut besorgt um die Ecke und fragt mich, ob es mir gut geht.
„Ja ja Schatz, der Computer macht nur mal wieder ein 13-Stunden-Update.“
„Aha. Was ist daran so lustig?“
„Gar nichts. Nur, dass es mich mal wieder dazu zwingt, mit Else ein bisschen Blödsinn zu machen.“
Ein bisschen Kopfkino-Quatsch hat noch niemandem geschadet. Und am Ende des Tages hat man dann zwar vielleicht keine einzige Zeile am Roman geschrieben, aber trotzdem das Gefühl, kreativ gewesen zu sein.
Denn seien wir ehrlich: Ich habe heute zwar keine Supermarktszene geschrieben, aber herausgefunden, dass Noah notfalls versuchen würde, mit einem Schraubenschlüssel einen Sternenflotten-Transporter zu reparieren, um Franzi aus dem All zurückzuholen.
Das ist auch eine Form von Charakterentwicklung. 😄
Man muss nicht unbedingt verrückt sein, um sich Geschichten auszudenken. Aber manchmal kann das tatsächlich helfen.
In diesem Sinne…
Beam me up, Scotty. Idealerweise in eine Zeit etwa 13 Stunden in der Zukunft, damit meine armen Figuren endlich dazu kommen, ihren Urlaub zu planen.