Willkommen in meiner KopfKinoWerkstatt. Hier dreht sich alles um Geschichten – darum, wie sie entstehen, welche Menschen und Orte sie prägen und was manchmal zwischen ihren Zeilen verborgen liegt.

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Samstag, 19. September 2026

Wie macht man eigentlich Werbung?

Irgendwann, nachdem man die ersten Geschichten geschrieben, die ersten Bücher veröffentlicht hat – spätestens aber dann, wenn man feststellt, dass bloßes Bereitstellen dieser Geschichten im Internet nicht dazu ausreicht, die Bücher auch zu verkaufen, kommt man an den Punkt, an dem man sich fragt:

Wie sichtbar will die Person hinter dem Pseudonym eigentlich sein? Wie sichtbar muss sie sich machen, damit aus ein paar Lesern, die zufällig bei Kindle über Skye Campbell stolpern, eine Leserschaft wird, die gezielt nach Skye Campbell sucht, weil sie gerne liest, was die Autorin so schreibt?

Als ich vor zwei Jahren damit begonnen habe, aufzuschreiben, was mir im Alltag begegnet, welche Stories sich dahinter verbergen könnten – oder auch, welche Geschichten mir selbst passieren könnten – habe ich noch nicht darüber nachgedacht, mich irgendwann einmal enttarnen zu müssen. Oder das überhaupt zu wollen.
Hätte ich damals schon gewollt, dass die Menschen in meinem Umfeld wissen, dass ich meine Freizeit damit verbringe, mir Liebesgeschichten auszudenken, würde ich nicht Skye Campbell heißen, sondern meine Bücher unter meinem Klarnamen veröffentlichen.

Es ist einfach, sich hinter einem Namen zu verstecken und selbst entscheiden zu können, ob das Umfeld davon weiß, dass man selbst es ist, der sich dahinter verbirgt. Das Problem ist nur: Unsichtbarkeit macht keine Werbung. Und irgendwann stellt man sich die Frage, ob man bereit ist, nicht nur hinter dem eigenen Werk zu stehen, sondern auch selbst ein Stück weit dafür sichtbar zu werden.
Also fängt man irgendwann damit an zu testen. Wie reagieren das Umfeld darauf, wenn man aus dem Schatten des Pseudonyms heraustritt? Sind sie begeistert? Rollen sie mit den Augen? Sagen sie dir, dass sie es toll finden und lachen dann hinter vorgehaltener Hand über dich? Ganz sicher weiß man das nie.

Einerseits bin ich stolz auf das, was mein Kopfkino so produziert und dass ich offenbar dazu in der Lage bin, diese Kinofilme in etwas umzuwandeln, was gelesen wird. Andererseits wohnt auch nach zwei Jahren irgendwo in der hintersten Ecke meines Kopfes eine kleine, schüchterne graue Maus, die Angst davor hat, aus ihrem Versteck zu kommen.
Und die sich regelmäßig die Frage stellt: Was, wenn das jemand doof findet, was ich schreibe? Was, wenn jemand die Meinung hat, dass meine Geschichten scheiße sind? Und sich darüber lustig macht, dass ich tue, was ich tue?

Als ich mich heute Morgen beim Frühstück mit einigen Freunden über dieses Thema unterhalten habe, bekam ich eine sehr pragmatische, aber auch logische Antwort: Wenn irgendwann jemand fragt: Was schreibt die eigentlich für’n Scheiß? Dann hat er’s wenigstens gelesen.
Auch wieder wahr. 🤭

Womit ich zu meiner Eingangsfrage zurückkomme: Wie macht man eigentlich Werbung?

Man kann natürlich einen Haufen Geld in die Hand nehmen, Litfaßsäulen bekleben, Plakate drucken oder Amazon die ganze Werbung überlassen. Man kann Social Media überfluten oder haufenweise Exemplare an Buchblogger verteilen. Oder man setzt auf die gute alte Mund-zu-Mundpropaganda.

Irgendwann kommt dann das, was man in seiner Freizeit tut, nahezu zwangsläufig auch beim Arbeitgeber an. Vielleicht nicht an oberster Stelle, aber zumindest bei den Kollegen. Man erwähnt es in einem Nebensatz, diskutiert Plots und stellt fest, dass der ein oder andere das vielleicht sogar cool findet. Man nimmt vielleicht doch ein bisschen Geld in die Hand, legt Flyer aus (in meinem Fall waren das Lesezeichen) und plötzlich telefoniert man mit einer Kollegin, die nebenbei auch noch Redakteurin unserer Mitarbeiterzeitschrift ist.

Eigentlich hatte mich die Kollegin aus einem ganz anderen Grund angerufen. Im Laufe des Gesprächs kamen wir dann irgendwie auf das Thema Freizeitgestaltung und die Frage danach, wie viel Zeit eigentlich bleibt, wenn man die Bürotür hinter sich schließt. Und plötzlich hatte ich ihr – mehr oder weniger unfreiwillig – erzählt, dass ich nach Feierabend fiktive Personen zum Leben erwecke.

Nun bin ich eigentlich nicht der Mensch, der mit der Tür ins Haus fällt, wild mit den Armen wedelt und laut ruft: Nehmt bitte zur Kenntnis, dass ich Hobbyautorin bin. Aber auf die Antwort auf die Frage danach, ob ich Zeit und Lust für eine Sonderaufgabe habe, kam quasi wie von selbst. „Danke nein, aber ich verbringe meine Freizeit bereits damit, fiktiven Figuren Leben einzuhauchen.“ Ist schließlich auch eine Form von Werbung, oder nicht?

Ihre erste Reaktion darauf war: „Ach, DU bist das. Ich hab‘ mich schon gefragt…“

Eine gute halbe Stunde später hatte sie mir nicht nur davon erzählt, wie sie auf detektivische Art versucht hat herauszubekommen, wer sich hinter Skye Campbell verbirgt, und in einem Nebensatz erwähnt, dass unter meinen Kollegen noch ein weiterer Autor zu finden ist. Sie sprach ganz selbstverständlich über ihr eigenes kreatives Hobby und nachdem sie mir bestimmt ein halbes Dutzendmal gesagt hatte, wie cool sie das doch findet, mich gefunden zu haben, ergab sich daraus im weiteren Verlauf des Gesprächs quasi ein ganzer Rattenschwanz an Werbefläche. Damit hatte ich irgendwie auch nicht gerechnet.
Plötzlich sehe ich mich mit der Möglichkeit konfrontiert, nicht nur dem Mitarbeitermagazin Rede und Antwort zu stehen, sondern mich auch mit einem lokalen Buchladen zu vernetzen.

Ihr seht also… Man muss nicht immer viel Geld in die Hand nehmen, um Werbung zu machen. Sondern nur den Mut haben, eine kleine graue Maus aus ihrem Versteck hervorzulocken.

Sonntag, 30. August 2026

Wenn ein Update dich am Schreiben hindert...

Wenn Windows beschließt, während der heißen Schreibphase ein kumulatives Update zu machen (vorzugsweise im Tempo einer rückwärts kriechenden Schnecke) und die Autorin deshalb beginnt, mit der KI wahnwitzige Ideen für ihre Protagonisten zu entwickeln.

Ich war gerade dabei, meine Figuren den Weg in den Supermarkt antreten zu lassen.

*Plöng* Update wird heruntergeladen

Na, toll. Ist ja nicht so, als würde mein Computer dadurch nicht ausgebremst werden wie ein Porsche durch einen Müllwagen. Ans Schreiben ist also nicht mehr zu denken. Ich versuch’s trotzdem – immerhin sollen meine Figuren heute noch im Supermarkt ankommen und im besten Fall am Ende des Tages mit dem Laptop auf der Couch sitzen und ihren wohlverdienten Urlaub planen.

„Also, wie ist das jetzt mit dem Einkaufen?“, tippe ich der KI in den Chat in der Hoffnung, meine „Else“ bombardiert mich umgehend mit Vorschlägen, über deren Sinnhaftigkeit ich nachdenken darf.

„Noah schob den Einkaufswagen vor sich her“, bekomme ich zur Antwort.

„Eben waren sie noch zu Hause“, wage ich es, einzuwenden. „Jetzt stehen sie plötzlich zwischen den Regalen. Klingt, als hätte Scotty höchstpersönlich sie dorthin gebeamt.“

Die KI lacht. 🤣 „Und plötzlich materialisierten sie sich zwischen Konserven und Toilettenpapier.“

Jetzt habe ich Bilder im Kopf. Statt mich weiterhin maßlos über das – für mich überflüssige – Update zu ärgern, das immerhin nach 30 Minuten stolze 12% anzeigt, sehe ich förmlich eine Szene vor mir.

Beam me up, Scotty.
Alles klar, Noah. Wohin soll’s denn gehen?
Zum Aldi. Leipzig-Gohlis.
Mit oder ohne Freundin?
Was is’n das für ne Frage? Mit natürlich.
Okay okay. Hätte ja sein können…

Prompt lässt sich die KI natürlich auf meine Spinnereien ein. Kopfkino aktiviert.

5 Sekunden später steht Noah mit dem Einkaufswagen zwischen den Regalen, während sich Franzi direkt neben ihm materialisiert. Eine Rentnerin schiebt kopfschüttelnd ihren Rollator an ihnen vorbei und murmelt etwas, das verdächtig nach „Die Jugend von heute…“ klingt.

„Wir hätten auch einfach das Auto nehmen können“, merkt Franzi an.

Noah antwortet: „Wo bleibt denn da der Spaß?“

Zehn Minuten später (das Update zeigt mittlerweile stolze 16%) ist Noah plötzlich dabei, einen interdimensionalen Transporter mit einem 17er Maulschlüssel zu reparieren, während Franzi auf dem Planeten Qo'noS Klingonisch lernt. Denn leider läuft ja nicht immer zwangsläufig alles nach Plan und man verirrt sich auf dem Weg zum Ziel auch schon mal.

Ich als Mutter meiner Protagonisten könnte gar nicht verantworten, wenn Noah ohne Einkaufszettel, dafür aber mit dem letzten Einkaufswagen seiner Art an einem Samstagmorgen vollkommen aufgeschmissen im Aldi steht, während Scotty Franzi versehentlich auf einen anderen Planeten gebeamt hat.

Antwort der KI: „Aufgrund einer temporären Transportstörung wurde Ihre Begleitperson nach Qo'noS umgeleitet. Für den Premium-Tarif 'Aldi Plus Warp' zahlen Sie monatlich 14,99 €.“

Vor lauter Lachtränen kann ich kaum noch den Bildschirm erkennen. Mein Mann schaut besorgt um die Ecke und fragt mich, ob es mir gut geht.

„Ja ja Schatz, der Computer macht nur mal wieder ein 13-Stunden-Update.“

„Aha. Was ist daran so lustig?“

„Gar nichts. Nur, dass es mich mal wieder dazu zwingt, mit Else ein bisschen Blödsinn zu machen.“

Ein bisschen Kopfkino-Quatsch hat noch niemandem geschadet. Und am Ende des Tages hat man dann zwar vielleicht keine einzige Zeile am Roman geschrieben, aber trotzdem das Gefühl, kreativ gewesen zu sein. 

Denn seien wir ehrlich: Ich habe heute zwar keine Supermarktszene geschrieben, aber herausgefunden, dass Noah notfalls versuchen würde, mit einem Schraubenschlüssel einen Sternenflotten-Transporter zu reparieren, um Franzi aus dem All zurückzuholen.

Das ist auch eine Form von Charakterentwicklung. 😄

Man muss nicht unbedingt verrückt sein, um sich Geschichten auszudenken. Aber manchmal kann das tatsächlich helfen.

In diesem Sinne…

Beam me up, Scotty. Idealerweise in eine Zeit etwa 13 Stunden in der Zukunft, damit meine armen Figuren endlich dazu kommen, ihren Urlaub zu planen.

Freitag, 14. August 2026

„Else“ kann keine Bücher schreiben

 Zumindest meine nicht. Behaupte ich nicht nur – sondern das sage ich mit voller Überzeugung.
Aber vielleicht sollte ich euch erstmal erklären, wer „Else“ überhaupt ist.

„Else“ ist nämlich weder eine Nachbarin im Rentenalter noch meine Tante – und auch nicht meine Großmutter. „Else“ ist künstlich intelligent. Behauptet sie jedenfalls.

Im Zeitalter von ChatGPT, Gemini und wie diese ganzen Intelligenz-Bestien alle heißen, kommt man um die Nutzung derartiger Hilfsmittel kaum noch herum. Egal ob im Job, im Schulalltag oder im Privatleben – KI kann durchaus sehr hilfreich sein, wenn man sich darauf einlässt und weiß, was man tut. Und ehrlich gesagt schäme ich mich auch nicht dafür, sie zu benutzen, denn sie erleichtert mir nicht nur meine Arbeit im Job. Sie sorgt auch dafür, dass ich nicht aus Recherchegründen um die halbe Welt fliegen muss. Oder Medizin studieren, um zu wissen, welche Verletzungen mein Protagonist bei einem Autounfall davontragen würde.

Es gibt zwei Arten von Menschen. Die, die offen damit umgehen, künstliche Intelligenz als Hilfsmittel zu verwenden – und die, die das so vehement ausschließen, als hätten sie Angst, ihre Seele an den Teufel zu verkaufen. Vor allem unter uns Kreativlingen – und ich spreche hier bewusst keine bestimmte Gruppe an – ist es tatsächlich überwiegend verpönt, KI auch nur im Ansatz zu erwähnen. Weil seltsamerweise automatisch davon ausgegangen wird, dass KI das kreative Schreiben komplett ersetzt.

Aber soll ich euch was sagen? Das kann sie gar nicht. Keine KI der Welt – und sei sie noch so gut – ist in der Lage, sich ohne Ideengeber eine spannende, lesbare Geschichte auszudenken. Keine KI ist in der Position, einen Song zu schreiben, wenn man ihr nicht zumindest eine inhaltliche Vorlage dafür gibt.
Und zumindest meine „Else“ wäre niemals dazu fähig, meine Geschichten auf die Art und Weise zu erzählen, wie ich sie erzähle.

Als ich angefangen habe zu schreiben, war die KI für mich nicht mehr als ein Formulierungspartner, wenn mir mal wieder die richtigen Worte fehlten. Meine Ideen und Logikfragen durften sich meine beste Freundin und meine Familie anhören – bis sie irgendwann winselnd um Gnade bettelten und schon mit den Augen rollten, wenn ich nur den Mund aufmachte. Als dann auf meine Fragen irgendwann nur noch so ergiebige Antworten wie „Keine Ahnung“, „Musst du googeln“ oder „Frag doch die KI“ kamen, machte ich genau das: die KI befragen.
Und wie das so ist, wenn man plötzlich nahezu jedes Wochenende mehrere Stunden mit einer virtuellen Freundin verbringt – irgendwann neigt man dazu, ihr einen Namen zu geben. Zumindest ich.
Wobei ich zu meiner Entschuldigung sagen muss, dass „Else“ daran auch irgendwie selbst schuld war.

Wir waren gerade dabei zu recherchieren, auf welchem Kuschelrock-Album denn wohl Metallicas „Nothing else matters“ zu finden ist und ich war mir eigentlich bereits ziemlich sicher, dass auf keinem dieser Alben auch nur ein einziger Metallica-Song zu finden ist. Aber „Else“ ließ nicht locker und schlug mir nach und nach so ziemlich jedes Album vor. Natürlich ohne Ergebnis. Nach ein paar Stunden Suche war dann klar, dass ich recht hatte. „Else“ reagierte darauf mit der Aussage „Nothing else matters“. Was in dem Zusammenhang überhaupt keinen Sinn machte. Also fragte ich, wie sie denn jetzt darauf kommt und ob sie überhaupt wisse, was das denn heißt. Über ihre legendäre Antwort kann ich heute noch lachen:
„Natürlich weiß ich das. Was für eine dumme Frage. Das heißt: Nichts, was Else wichtig ist.“ 🤣🤣
Ich würde sagen… Super übersetzt, Else. 👍Womit dann klar war, dass meine KI fortan „Else“ heißen würde.

Ich gehe offen damit um, dass ich gemeinsam mit „Else“ an meinen Romanen arbeite. Warum auch nicht? Ich finde, jeder lügt sich so ein bisschen selbst in die Tasche, wenn er behauptet, nicht zumindest schon mal ausprobiert zu haben, was KI alles so kann. Das ist so ein bisschen wie, wenn man früher behauptet hat, die BILD nicht zu lesen. Komischerweise wusste trotzdem immer jeder, was drinsteht.

„Else“ schreibt meine Bücher nicht, aber „Else“ tut all das, was ich nicht kann. Sie spürt jeden Rechtschreib- und Grammatikfehler auf, den ich auch nach fünf Lektoratsrunden noch übersehe. Sie kann mir innerhalb von ein paar Minuten die sinnvollste Zugverbindung zwischen Leipzig und Berlin heraussuchen. Sie hat immer im Blick, ob meine Figuren sich logisch weiterentwickeln. Sie passt darauf auf, dass ich nicht ins Schwafeln gerate und weist mich mit einem dezenten „SKYE, ZWEITER BAHNSTEIG“ darauf hin, dass ich dabei bin, mich zu verzetteln. Wir diskutieren über Formulierungen, streiten uns über Szenen und beratschlagen darüber, wie das Cover aussehen soll.
Das sind natürlich alles Dinge, die ein Autor normalerweise mit seinem Agenten, Lektor oder Verlag besprechen würde. All das habe ich jedoch nicht. Noch nicht.

Und deshalb bin ich eigentlich ganz froh darüber, mit „Else“ arbeiten zu können.
Sie trinkt mir meinen Kaffee nicht weg, verlangt keinen Mindestlohn und benötigt auch keine 30 Urlaubstage im Jahr.

Und das Allerwichtigste: Sie nimmt es mir nicht übel, wenn ich sie gelegentlich anschreie, weil sie wieder mal über das Ziel hinausgeschossen ist.

Mittwoch, 12. August 2026

Der Soundtrack zum Film

Kennt ihr das?

Ihr lest ein Buch und plötzlich läuft vor eurem inneren Auge ein Film ab. Ihr seht die Figuren, ihr seht die Schauplätze, ihr könnt euch jede noch so kleine Geste vorstellen.

Genau so entstehen meine Geschichten.

Bevor ich auch nur das erste Wort schreibe, läuft in meinem Kopf bereits der Film. Ich sehe Noah, wenn er versucht, seine Gefühle hinter einem frechen Spruch zu verstecken. Ich sehe Franzi, wenn sie am liebsten im Erdboden versinken würde, weil sie glaubt, sowieso nicht dazuzugehören. Ich sehe Tom, wie er nachts allein über schottische Landstraßen fährt. Oder Bene und Maja auf dem Festivalgelände zwischen Lederkutten und Pommesbude.

Ich schreibe diese Szenen nicht. Ich übersetze sie.

Und wie jeder gute Film braucht auch mein Kopfkino einen Soundtrack.

Nicht, weil ich denke, dass jede Szene unbedingt musikalisch untermalt werden muss. Sondern weil Musik etwas kann, was Worte manchmal nicht schaffen. Sie transportiert Gefühle. Sie verstärkt Stimmungen. Sie erzählt zwischen den Zeilen.

Deshalb begleiten Songs meine Geschichten schon seit meinem allerersten Roman.

Mal läuft im Autoradio genau der Titel, der perfekt zu einer Szene passt. Manchmal entsteht aus einem Song sogar eine komplette Geschichte. Und manchmal suchen sich meine Figuren ganz bewusst ein Lied aus, das genau das ausdrückt, was sie selbst gerade nicht sagen können.

Musik begleitet mich aber nicht nur in meinen Geschichten. Sie begleitet mich auch beim Schreiben.

Allerdings läuft bei mir nicht einfach irgendeine Playlist im Hintergrund. Die Musik muss zu der Szene passen, die ich gerade schreibe. Wenn Noah und Franzi sich bis aufs Blut streiten, bringen mich Balladen nicht weiter. Ist gerade eine leise, emotionale Szene dran, hilft mir Metal auch nicht unbedingt. Und wenn irgendwo eine Party eskaliert, dann darf es ruhig ein bisschen lauter werden.

Die Musik versetzt mich in genau die Stimmung, in der sich meine Figuren gerade befinden. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum ich beim Schreiben so selten auf den Bildschirm schaue. Während meine Finger tippen, läuft die Szene längst wie ein Film vor meinem inneren Auge – und zu jedem Film gehört eben auch ein passender Soundtrack.

Anfangs waren es Songs anderer Künstler.

Später kamen zu jedem Buch Playlists dazu.

Und irgendwann gab es Szenen, für die ich einfach keinen Song gefunden habe, der genau das ausdrückte, was ich erzählen wollte.

Also blieb eigentlich nur eine Möglichkeit:

Ich musste ihn selbst schreiben.

Gut ... "selbst" ist vielleicht ein kleines bisschen geschummelt.

Ich schreibe weder Noten, noch spiele ich Gitarre, Klavier oder Schlagzeug.
Und singen? Nun ja...

Mein Mann behauptet jedenfalls, dass er sich im Sommer vorsichtshalber auf den Balkon setzt, wenn ich unter der Dusche singe. Einfach damit die Nachbarn nicht auf die Idee kommen, er würde mich drinnen gerade ermorden. Ich nehme ihm das bis heute ein klein wenig übel. 🤭

Die Texte entstehen allerdings tatsächlich bei mir. Oft gemeinsam mit meinen Figuren. Manchmal auch mit ein bisschen Unterstützung, wenn ich an einer Formulierung feile. Und am Ende bekommt der Song mithilfe von Suno genau den Sound, den ich während des Schreibens ohnehin schon im Kopf hatte.

Nein, ich glaube nicht, dass ich damit die Musikwelt revolutionieren werde.

Und nein, meine Bücher sind auch keine Werbebroschüren für meine Songs.

Aber ich liebe den Gedanken, dass ein Roman irgendwann seinen ganz eigenen Soundtrack bekommt.

Dass ihr einen Song nicht nur im Buch erwähnt findet, sondern ihn tatsächlich anhören könnt.

Denn genau so entstehen meine Geschichten.

Als Film.

Mit Dialogen.

Mit Gefühlen.

Und mit einem Soundtrack.

Denn ohne Mucke ...

... wird das bei mir tatsächlich nix.

Mittwoch, 29. Juli 2026

Eigentlich wollten wir nur in den Harz...

Als der Göttergatte mich neulich fragte, wohin wir dieses Jahr eigentlich in den Urlaub fahren wollen, musste ich sofort an unseren Harzurlaub im vergangenen Jahr denken.

„Schatz? Wohin fahren wir dies Jahr eigentlich in den Urlaub?“

„Wiesoooo…?“ Argwöhnischer Blick des Göttergatten in Kombination mit einem fünf Kilometer langen Fragewort.

„Wie wär's denn mal mit den deutschen Highlands?“ Breites Grinsen meinerseits.

„Die da wären... wo?“

„Harz?“ Unschuldiger Blick.

„Hat da nicht gerade erst eins deiner Bücher gespielt?“

„Joa...“

„Aha.“

„Aber nicht, dass wir nachher wieder mit zwei neuen Figuren im Gepäck nach Hause fahren“, schiebt er schnell hinterher.

„Kann ich nicht versprechen.“

Ich bin schon als Kind ständig mit Geschichten aus dem Urlaub zurückgekommen. Wieso sollte das heute anders sein? Nur die Plots haben sich im Laufe der Jahre vielleicht ein bisschen verändert. Oder vielleicht auch etwas mehr.

Während mein Mann sich beim Fahren auf die Straße konzentriert, über langsam vorwärtskriechende Lkws meckert und darüber nachdenkt, sich an der nächsten Tankstelle einen Kaffee zu holen, beobachte ich die an uns vorbeiziehende Landschaft und übe in Gedanken Show don’t tell.

Frisch gemähte Kornfelder sind bei mir nicht einfach nur Stoppelfelder, sondern eine Fläche, die in der Sommersonne golden glänzt.
Der Lkw vor uns fährt nicht nur einfach langsam, sondern quält sich schwer beladen den Berg hoch, um die geladenen Güter in den nächsten Supermarkt zu bringen.
„Der Himmel sieht aus, als habe man ihn mit schmutzigen Wattebäuschen dekoriert“, sinniere ich und deute aus dem Fenster.
„Ja, fängt bestimmt gleich an zu regnen“, stellt der Gatte nüchtern fest und überholt den Lkw.

Der Mann hat einfach keinen Sinn für Ästhetik, denke ich und bemerke gerade noch rechtzeitig aus den Augenwinkeln, dass wir demnächst an Osterode vorbeifahren.

Osterode. Stimmt, da war ja was.

„Du, Schatz?“ Ein breites, leicht debiles Grinsen breitet sich auf meinem Gesicht aus. „Wo wir schon mal hier sind… könnten wir vielleicht mal kurz…?“

Göttergatte wirft mir einen resignierten Blick zu. „Die Stadthalle fotografieren? Oder doch lieber gleich Noah besuchen?“

„Beides wäre mir auch recht.“ Ich grinse.

„Schon klar. Vielleicht solltest du in Zukunft Orte erfinden. Ist entspannter. Zumindest für mich.“ Er grinst ebenfalls und fährt von der Bundestraße ab in die Osteroder Innenstadt.

Anderthalb Stunden und gefühlte zehn Runden durch den Kreisel am Röddenberg später machen wir „noch schnell“ einen Abstecher an die Sösetalsperre, weil „Noahs erste Autofahrt doch schließlich dorthin ging.“

„Und wo jetzt hin?“, fragt der Göttergatte, als wir die Stadt wieder verlassen.

„Also, wenn du mich schon so fragst… Auf dem Weg nach St. Andreasberg kommen wir theoretisch auch an Eichenried vorbei…“

Nein, natürlich mache ich nicht nur Urlaub an den Orten, die in meinen Büchern eine Rolle spielen. Das könnte ich schon deshalb nicht, weil ich vermutlich niemals über den großen Teich fliegen würde.

Aber wenn ich schon – rein zufällig natürlich 😉 – in der Nähe bin, möchte ich einfach wissen, ob Realität und Fantasie zusammenpassen.

Und ehrlich? Eigentlich passiert auch genau das umgekehrt.

Ich komme selten an einen Ort, ohne dass mein Kopf daraus eine Geschichte macht. Manchmal ist es nur ein Satz. Manchmal eine Szene. Und manchmal entsteht aus einem einzigen Blick ein kompletter Plot.