Irgendwann, nachdem man die ersten Geschichten geschrieben, die ersten Bücher veröffentlicht hat – spätestens aber dann, wenn man feststellt, dass bloßes Bereitstellen dieser Geschichten im Internet nicht dazu ausreicht, die Bücher auch zu verkaufen, kommt man an den Punkt, an dem man sich fragt:
Wie sichtbar will die Person hinter dem Pseudonym eigentlich sein? Wie sichtbar muss sie sich machen, damit aus ein paar Lesern, die zufällig bei Kindle über Skye Campbell stolpern, eine Leserschaft wird, die gezielt nach Skye Campbell sucht, weil sie gerne liest, was die Autorin so schreibt?
Als ich vor zwei Jahren damit begonnen habe, aufzuschreiben,
was mir im Alltag begegnet, welche Stories sich dahinter verbergen könnten –
oder auch, welche Geschichten mir selbst passieren könnten – habe ich noch
nicht darüber nachgedacht, mich irgendwann einmal enttarnen zu müssen. Oder das
überhaupt zu wollen.
Hätte ich damals schon gewollt, dass die Menschen in meinem Umfeld wissen, dass
ich meine Freizeit damit verbringe, mir Liebesgeschichten auszudenken, würde
ich nicht Skye Campbell heißen, sondern meine Bücher unter meinem Klarnamen
veröffentlichen.
Es ist einfach, sich hinter einem Namen zu verstecken und
selbst entscheiden zu können, ob das Umfeld davon weiß, dass man selbst es ist,
der sich dahinter verbirgt. Das Problem ist nur: Unsichtbarkeit macht keine
Werbung. Und irgendwann stellt man sich die Frage, ob man bereit ist, nicht nur
hinter dem eigenen Werk zu stehen, sondern auch selbst ein Stück weit dafür
sichtbar zu werden.
Also fängt man irgendwann damit an zu testen. Wie reagieren das Umfeld darauf,
wenn man aus dem Schatten des Pseudonyms heraustritt? Sind sie begeistert?
Rollen sie mit den Augen? Sagen sie dir, dass sie es toll finden und lachen
dann hinter vorgehaltener Hand über dich? Ganz sicher weiß man das nie.
Einerseits bin ich stolz auf das, was mein Kopfkino so
produziert und dass ich offenbar dazu in der Lage bin, diese Kinofilme in etwas
umzuwandeln, was gelesen wird. Andererseits wohnt auch nach zwei Jahren
irgendwo in der hintersten Ecke meines Kopfes eine kleine, schüchterne graue
Maus, die Angst davor hat, aus ihrem Versteck zu kommen.
Und die sich regelmäßig die Frage stellt: Was, wenn das jemand doof findet, was
ich schreibe? Was, wenn jemand die Meinung hat, dass meine Geschichten scheiße
sind? Und sich darüber lustig macht, dass ich tue, was ich tue?
Als ich mich heute Morgen beim Frühstück mit einigen
Freunden über dieses Thema unterhalten habe, bekam ich eine sehr pragmatische,
aber auch logische Antwort: Wenn irgendwann jemand fragt: Was schreibt die
eigentlich für’n Scheiß? Dann hat er’s wenigstens gelesen.
Auch wieder wahr. 🤭
Womit ich zu meiner Eingangsfrage zurückkomme: Wie macht man eigentlich Werbung?
Man kann natürlich einen Haufen Geld in die Hand nehmen, Litfaßsäulen bekleben, Plakate drucken oder Amazon die ganze Werbung überlassen. Man kann Social Media überfluten oder haufenweise Exemplare an Buchblogger verteilen. Oder man setzt auf die gute alte Mund-zu-Mundpropaganda.
Irgendwann kommt dann das, was man in seiner Freizeit tut, nahezu zwangsläufig auch beim Arbeitgeber an. Vielleicht nicht an oberster Stelle, aber zumindest bei den Kollegen. Man erwähnt es in einem Nebensatz, diskutiert Plots und stellt fest, dass der ein oder andere das vielleicht sogar cool findet. Man nimmt vielleicht doch ein bisschen Geld in die Hand, legt Flyer aus (in meinem Fall waren das Lesezeichen) und plötzlich telefoniert man mit einer Kollegin, die nebenbei auch noch Redakteurin unserer Mitarbeiterzeitschrift ist.
Eigentlich hatte mich die Kollegin aus einem ganz anderen Grund angerufen. Im Laufe des Gesprächs kamen wir dann irgendwie auf das Thema Freizeitgestaltung und die Frage danach, wie viel Zeit eigentlich bleibt, wenn man die Bürotür hinter sich schließt. Und plötzlich hatte ich ihr – mehr oder weniger unfreiwillig – erzählt, dass ich nach Feierabend fiktive Personen zum Leben erwecke.
Nun bin ich eigentlich nicht der Mensch, der mit der Tür ins Haus fällt, wild mit den Armen wedelt und laut ruft: Nehmt bitte zur Kenntnis, dass ich Hobbyautorin bin. Aber auf die Antwort auf die Frage danach, ob ich Zeit und Lust für eine Sonderaufgabe habe, kam quasi wie von selbst. „Danke nein, aber ich verbringe meine Freizeit bereits damit, fiktiven Figuren Leben einzuhauchen.“ Ist schließlich auch eine Form von Werbung, oder nicht?
Ihre erste Reaktion darauf war: „Ach, DU bist das. Ich hab‘ mich schon gefragt…“
Eine gute halbe Stunde später hatte sie mir nicht nur davon
erzählt, wie sie auf detektivische Art versucht hat herauszubekommen, wer sich
hinter Skye Campbell verbirgt, und in einem Nebensatz erwähnt, dass unter
meinen Kollegen noch ein weiterer Autor zu finden ist. Sie sprach ganz
selbstverständlich über ihr eigenes kreatives Hobby und nachdem sie mir
bestimmt ein halbes Dutzendmal gesagt hatte, wie cool sie das doch findet, mich
gefunden zu haben, ergab sich daraus im weiteren Verlauf des Gesprächs quasi ein
ganzer Rattenschwanz an Werbefläche. Damit hatte ich irgendwie auch nicht
gerechnet.
Plötzlich sehe ich mich mit der Möglichkeit konfrontiert, nicht nur dem
Mitarbeitermagazin Rede und Antwort zu stehen, sondern mich auch mit einem
lokalen Buchladen zu vernetzen.