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Mittwoch, 29. Juli 2026

Eigentlich wollten wir nur in den Harz...

Als der Göttergatte mich neulich fragte, wohin wir dieses Jahr eigentlich in den Urlaub fahren wollen, musste ich sofort an unseren Harzurlaub im vergangenen Jahr denken.

„Schatz? Wohin fahren wir dies Jahr eigentlich in den Urlaub?“

„Wiesoooo…?“ Argwöhnischer Blick des Göttergatten in Kombination mit einem fünf Kilometer langen Fragewort.

„Wie wär's denn mal mit den deutschen Highlands?“ Breites Grinsen meinerseits.

„Die da wären... wo?“

„Harz?“ Unschuldiger Blick.

„Hat da nicht gerade erst eins deiner Bücher gespielt?“

„Joa...“

„Aha.“

„Aber nicht, dass wir nachher wieder mit zwei neuen Figuren im Gepäck nach Hause fahren“, schiebt er schnell hinterher.

„Kann ich nicht versprechen.“

Ich bin schon als Kind ständig mit Geschichten aus dem Urlaub zurückgekommen. Wieso sollte das heute anders sein? Nur die Plots haben sich im Laufe der Jahre vielleicht ein bisschen verändert. Oder vielleicht auch etwas mehr.

Während mein Mann sich beim Fahren auf die Straße konzentriert, über langsam vorwärtskriechende Lkws meckert und darüber nachdenkt, sich an der nächsten Tankstelle einen Kaffee zu holen, beobachte ich die an uns vorbeiziehende Landschaft und übe in Gedanken Show don’t tell.

Frisch gemähte Kornfelder sind bei mir nicht einfach nur Stoppelfelder, sondern eine Fläche, die in der Sommersonne golden glänzt.
Der Lkw vor uns fährt nicht nur einfach langsam, sondern quält sich schwer beladen den Berg hoch, um die geladenen Güter in den nächsten Supermarkt zu bringen.
„Der Himmel sieht aus, als habe man ihn mit schmutzigen Wattebäuschen dekoriert“, sinniere ich und deute aus dem Fenster.
„Ja, fängt bestimmt gleich an zu regnen“, stellt der Gatte nüchtern fest und überholt den Lkw.

Der Mann hat einfach keinen Sinn für Ästhetik, denke ich und bemerke gerade noch rechtzeitig aus den Augenwinkeln, dass wir demnächst an Osterode vorbeifahren.

Osterode. Stimmt, da war ja was.

„Du, Schatz?“ Ein breites, leicht debiles Grinsen breitet sich auf meinem Gesicht aus. „Wo wir schon mal hier sind… könnten wir vielleicht mal kurz…?“

Göttergatte wirft mir einen resignierten Blick zu. „Die Stadthalle fotografieren? Oder doch lieber gleich Noah besuchen?“

„Beides wäre mir auch recht.“ Ich grinse.

„Schon klar. Vielleicht solltest du in Zukunft Orte erfinden. Ist entspannter. Zumindest für mich.“ Er grinst ebenfalls und fährt von der Bundestraße ab in die Osteroder Innenstadt.

Anderthalb Stunden und gefühlte zehn Runden durch den Kreisel am Röddenberg später machen wir „noch schnell“ einen Abstecher an die Sösetalsperre, weil „Noahs erste Autofahrt doch schließlich dorthin ging.“

„Und wo jetzt hin?“, fragt der Göttergatte, als wir die Stadt wieder verlassen.

„Also, wenn du mich schon so fragst… Auf dem Weg nach St. Andreasberg kommen wir theoretisch auch an Eichenried vorbei…“

Nein, natürlich mache ich nicht nur Urlaub an den Orten, die in meinen Büchern eine Rolle spielen. Das könnte ich schon deshalb nicht, weil ich vermutlich niemals über den großen Teich fliegen würde.

Aber wenn ich schon – rein zufällig natürlich 😉 – in der Nähe bin, möchte ich einfach wissen, ob Realität und Fantasie zusammenpassen.

Und ehrlich? Eigentlich passiert auch genau das umgekehrt.

Ich komme selten an einen Ort, ohne dass mein Kopf daraus eine Geschichte macht. Manchmal ist es nur ein Satz. Manchmal eine Szene. Und manchmal entsteht aus einem einzigen Blick ein kompletter Plot.


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