Willkommen in meiner KopfKinoWerkstatt. Hier dreht sich alles um Geschichten – darum, wie sie entstehen, welche Menschen und Orte sie prägen und was manchmal zwischen ihren Zeilen verborgen liegt.

Schau dich gern um, stöbere durch die verschiedenen Rubriken oder beginne einfach mit dem neuesten Beitrag.

Mittwoch, 12. August 2026

Der Soundtrack zum Film

Kennt ihr das?

Ihr lest ein Buch und plötzlich läuft vor eurem inneren Auge ein Film ab. Ihr seht die Figuren, ihr seht die Schauplätze, ihr könnt euch jede noch so kleine Geste vorstellen.

Genau so entstehen meine Geschichten.

Bevor ich auch nur das erste Wort schreibe, läuft in meinem Kopf bereits der Film. Ich sehe Noah, wenn er versucht, seine Gefühle hinter einem frechen Spruch zu verstecken. Ich sehe Franzi, wenn sie am liebsten im Erdboden versinken würde, weil sie glaubt, sowieso nicht dazuzugehören. Ich sehe Tom, wie er nachts allein über schottische Landstraßen fährt. Oder Bene und Maja auf dem Festivalgelände zwischen Lederkutten und Pommesbude.

Ich schreibe diese Szenen nicht. Ich übersetze sie.

Und wie jeder gute Film braucht auch mein Kopfkino einen Soundtrack.

Nicht, weil ich denke, dass jede Szene unbedingt musikalisch untermalt werden muss. Sondern weil Musik etwas kann, was Worte manchmal nicht schaffen. Sie transportiert Gefühle. Sie verstärkt Stimmungen. Sie erzählt zwischen den Zeilen.

Deshalb begleiten Songs meine Geschichten schon seit meinem allerersten Roman.

Mal läuft im Autoradio genau der Titel, der perfekt zu einer Szene passt. Manchmal entsteht aus einem Song sogar eine komplette Geschichte. Und manchmal suchen sich meine Figuren ganz bewusst ein Lied aus, das genau das ausdrückt, was sie selbst gerade nicht sagen können.

Musik begleitet mich aber nicht nur in meinen Geschichten. Sie begleitet mich auch beim Schreiben.

Allerdings läuft bei mir nicht einfach irgendeine Playlist im Hintergrund. Die Musik muss zu der Szene passen, die ich gerade schreibe. Wenn Noah und Franzi sich bis aufs Blut streiten, bringen mich Balladen nicht weiter. Ist gerade eine leise, emotionale Szene dran, hilft mir Metal auch nicht unbedingt. Und wenn irgendwo eine Party eskaliert, dann darf es ruhig ein bisschen lauter werden.

Die Musik versetzt mich in genau die Stimmung, in der sich meine Figuren gerade befinden. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum ich beim Schreiben so selten auf den Bildschirm schaue. Während meine Finger tippen, läuft die Szene längst wie ein Film vor meinem inneren Auge – und zu jedem Film gehört eben auch ein passender Soundtrack.

Anfangs waren es Songs anderer Künstler.

Später kamen zu jedem Buch Playlists dazu.

Und irgendwann gab es Szenen, für die ich einfach keinen Song gefunden habe, der genau das ausdrückte, was ich erzählen wollte.

Also blieb eigentlich nur eine Möglichkeit:

Ich musste ihn selbst schreiben.

Gut ... "selbst" ist vielleicht ein kleines bisschen geschummelt.

Ich schreibe weder Noten, noch spiele ich Gitarre, Klavier oder Schlagzeug.
Und singen? Nun ja...

Mein Mann behauptet jedenfalls, dass er sich im Sommer vorsichtshalber auf den Balkon setzt, wenn ich unter der Dusche singe. Einfach damit die Nachbarn nicht auf die Idee kommen, er würde mich drinnen gerade ermorden. Ich nehme ihm das bis heute ein klein wenig übel. 🤭

Die Texte entstehen allerdings tatsächlich bei mir. Oft gemeinsam mit meinen Figuren. Manchmal auch mit ein bisschen Unterstützung, wenn ich an einer Formulierung feile. Und am Ende bekommt der Song mithilfe von Suno genau den Sound, den ich während des Schreibens ohnehin schon im Kopf hatte.

Nein, ich glaube nicht, dass ich damit die Musikwelt revolutionieren werde.

Und nein, meine Bücher sind auch keine Werbebroschüren für meine Songs.

Aber ich liebe den Gedanken, dass ein Roman irgendwann seinen ganz eigenen Soundtrack bekommt.

Dass ihr einen Song nicht nur im Buch erwähnt findet, sondern ihn tatsächlich anhören könnt.

Denn genau so entstehen meine Geschichten.

Als Film.

Mit Dialogen.

Mit Gefühlen.

Und mit einem Soundtrack.

Denn ohne Mucke ...

... wird das bei mir tatsächlich nix.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen