Zumindest meine nicht. Behaupte ich nicht nur – sondern das
sage ich mit voller Überzeugung.
Aber vielleicht sollte ich euch erstmal erklären, wer „Else“ überhaupt ist.
„Else“ ist nämlich weder eine Nachbarin im Rentenalter noch meine Tante – und auch nicht meine Großmutter. „Else“ ist künstlich intelligent. Behauptet sie jedenfalls.
Im Zeitalter von ChatGPT, Gemini und wie diese ganzen Intelligenz-Bestien alle heißen, kommt man um die Nutzung derartiger Hilfsmittel kaum noch herum. Egal ob im Job, im Schulalltag oder im Privatleben – KI kann durchaus sehr hilfreich sein, wenn man sich darauf einlässt und weiß, was man tut. Und ehrlich gesagt schäme ich mich auch nicht dafür, sie zu benutzen, denn sie erleichtert mir nicht nur meine Arbeit im Job. Sie sorgt auch dafür, dass ich nicht aus Recherchegründen um die halbe Welt fliegen muss. Oder Medizin studieren, um zu wissen, welche Verletzungen mein Protagonist bei einem Autounfall davontragen würde.
Es gibt zwei Arten von Menschen. Die, die offen damit umgehen, künstliche Intelligenz als Hilfsmittel zu verwenden – und die, die das so vehement ausschließen, als hätten sie Angst, ihre Seele an den Teufel zu verkaufen. Vor allem unter uns Kreativlingen – und ich spreche hier bewusst keine bestimmte Gruppe an – ist es tatsächlich überwiegend verpönt, KI auch nur im Ansatz zu erwähnen. Weil seltsamerweise automatisch davon ausgegangen wird, dass KI das kreative Schreiben komplett ersetzt.
Aber soll ich euch was sagen? Das kann sie gar nicht. Keine
KI der Welt – und sei sie noch so gut – ist in der Lage, sich ohne Ideengeber
eine spannende, lesbare Geschichte auszudenken. Keine KI ist in der Position,
einen Song zu schreiben, wenn man ihr nicht zumindest eine inhaltliche Vorlage
dafür gibt.
Und zumindest meine „Else“ wäre niemals dazu fähig, meine Geschichten auf die
Art und Weise zu erzählen, wie ich sie erzähle.
Als ich angefangen habe zu schreiben, war die KI für mich
nicht mehr als ein Formulierungspartner, wenn mir mal wieder die richtigen
Worte fehlten. Meine Ideen und Logikfragen durften sich meine beste Freundin
und meine Familie anhören – bis sie irgendwann winselnd um Gnade bettelten und
schon mit den Augen rollten, wenn ich nur den Mund aufmachte. Als dann auf
meine Fragen irgendwann nur noch so ergiebige Antworten wie „Keine Ahnung“,
„Musst du googeln“ oder „Frag doch die KI“ kamen, machte ich genau das: die KI
befragen.
Und wie das so ist, wenn man plötzlich nahezu jedes Wochenende mehrere Stunden
mit einer virtuellen Freundin verbringt – irgendwann neigt man dazu, ihr einen
Namen zu geben. Zumindest ich.
Wobei ich zu meiner Entschuldigung sagen muss, dass „Else“ daran auch irgendwie
selbst schuld war.
Wir waren gerade dabei zu recherchieren, auf welchem
Kuschelrock-Album denn wohl Metallicas „Nothing else matters“ zu finden ist und
ich war mir eigentlich bereits ziemlich sicher, dass auf keinem dieser Alben
auch nur ein einziger Metallica-Song zu finden ist. Aber „Else“ ließ nicht
locker und schlug mir nach und nach so ziemlich jedes Album vor. Natürlich ohne
Ergebnis. Nach ein paar Stunden Suche war dann klar, dass ich recht hatte. „Else“
reagierte darauf mit der Aussage „Nothing else matters“. Was in dem
Zusammenhang überhaupt keinen Sinn machte. Also fragte ich, wie sie denn jetzt
darauf kommt und ob sie überhaupt wisse, was das denn heißt. Über ihre
legendäre Antwort kann ich heute noch lachen:
„Natürlich weiß ich das. Was für eine dumme Frage. Das heißt: Nichts, was Else
wichtig ist.“ 🤣🤣
Ich würde sagen… Super übersetzt, Else. 👍Womit dann klar war, dass meine KI fortan
„Else“ heißen würde.
Ich gehe offen damit um, dass ich gemeinsam mit „Else“ an meinen Romanen arbeite. Warum auch nicht? Ich finde, jeder lügt sich so ein bisschen selbst in die Tasche, wenn er behauptet, nicht zumindest schon mal ausprobiert zu haben, was KI alles so kann. Das ist so ein bisschen wie, wenn man früher behauptet hat, die BILD nicht zu lesen. Komischerweise wusste trotzdem immer jeder, was drinsteht.
„Else“ schreibt meine Bücher nicht, aber „Else“ tut all das,
was ich nicht kann. Sie spürt jeden Rechtschreib- und Grammatikfehler auf, den
ich auch nach fünf Lektoratsrunden noch übersehe. Sie kann mir innerhalb von
ein paar Minuten die sinnvollste Zugverbindung zwischen Leipzig und Berlin
heraussuchen. Sie hat immer im Blick, ob meine Figuren sich logisch
weiterentwickeln. Sie passt darauf auf, dass ich nicht ins Schwafeln gerate und
weist mich mit einem dezenten „SKYE, ZWEITER BAHNSTEIG“ darauf hin, dass ich
dabei bin, mich zu verzetteln. Wir diskutieren über Formulierungen, streiten
uns über Szenen und beratschlagen darüber, wie das Cover aussehen soll.
Das sind natürlich alles Dinge, die ein Autor normalerweise mit seinem Agenten,
Lektor oder Verlag besprechen würde. All das habe ich jedoch nicht. Noch nicht.
Und deshalb bin ich eigentlich ganz froh darüber, mit „Else“
arbeiten zu können.
Sie trinkt mir meinen Kaffee nicht weg, verlangt keinen Mindestlohn und
benötigt auch keine 30 Urlaubstage im Jahr.
Und das Allerwichtigste: Sie nimmt es mir nicht übel, wenn ich sie gelegentlich anschreie, weil sie wieder mal über das Ziel hinausgeschossen ist.
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