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Sonntag, 19. Juli 2026

Warum ich plötzlich Skye Campbell hieß

Diese Frage gehört tatsächlich zu denen, die mir häufig gestellt werden. Und ehrlich gesagt ganz oft auch die, die ich mir selbst stelle.

Und ich glaube, würde ich heute nochmal ganz neu anfangen und müsste darüber nachdenken, unter welchem Namen ich meine Geschichten veröffentliche, würde ich ihn wesentlich bewusster wählen.

Als ich „Weit entfernt von gestern“ schrieb – nein, ich sollte sogar sagen, als die Geschichte in meinem Kopf entstand – da war ich mir mit nur einer Sache wirklich sicher. Nämlich, dass mein Lieblingsland eine Rolle bekommen musste. Der Witz daran ist eigentlich, dass ich bisher nie in Schottland war und trotzdem eine solche Sehnsucht nach diesem Land habe, als würde ich irgendwie dorthin gehören. Dass ich es bisher nicht geschafft habe, dieses Land zu besuchen liegt eigentlich nur daran, dass – wieder einmal – das Leben dazwischenkam. Ich will das auch gar nicht weiter ausführen, denn das gehört nicht hierher. Tatsache ist jedoch, dass mich die Weiten dieses Landes, die Mentalität der Menschen und die Geschichte schon sehr lange faszinieren. Deshalb brauchte ich überhaupt nicht darüber nachzudenken, wohin sich meine Protagonistin zurückzieht, um ihr verkorkstes Liebesleben auf die Reihe zu kriegen.

Als ich damals nach einem passenden Namen suchte, war ich fest davon überzeugt, dass – wenn ich tatsächlich weiterschreiben würde – meine Geschichten selbstverständlich alle in Schottland spielen würden. Im Grunde genommen ging es in meinem Kopf doch immer nur um die Frage „Wie sähe mein Leben im Idealfall aus?“ Und dazu gehörte für mich immer auch, dass ich in den Highlands leben würde. Also machte ich mich auf die Suche nach dem Namen, den ich in einem solchen Ideal-Leben wohl hätte.

Natürlich hätte ich auch Fiona MacLeod, Morag MacKenzie oder Isla Fraser heißen können. 🤭 Aber ich wollte nicht einfach irgendetwas nehmen, das schottisch klingt. Ich wollte einen Bezug zu dem Namen haben. Und den habe ich in einer Geschichte gefunden, die ich lange für mich behalten habe, weil ich sie selbst für ein bisschen verrückt halte.

Aber wir sind hier ja unter uns. Ich erwarte gar nicht, dass das jeder genauso sieht wie ich. Aber zu der Geschichte, warum ich Skye Campbell heiße und nicht Cara Bennett oder Else Schnellse, gehört auch diese Erfahrung.

Es gibt Träume – und es gibt Träume. Manche hat man bereits vergessen, wenn man morgens die Augen öffnet. Manche träumt man einmal, wundert sich drüber und hakt sie danach ab. Und manche kehren immer wieder und man erlebt Dinge so detailgetreu und bewusst, dass man sich fragt, ob es sich dabei nicht vielleicht eher um ein Déjà-vu handelt. Es ist schon einige Jahre her, dass ich einen Traum hatte, der immer wiederkehrte. Und wenn ich von Traum spreche, dann meine ich ausnahmsweise keine Kopfkinogeschichte, die ich mir selbst ausgedacht hatte, sondern Bilder, die mich am nächsten Morgen verstört aufwachen ließen.

Ich träumte von einer Burg, irgendwo in einem Waldgebiet, sah mich als junges Mädchen über den Innenhof laufen, während um mich herum Männer miteinander kämpften. Sah einen jungen Mann, der seine Hand nach mir ausstreckte und mich mit sich zog. Weg von der Burg, in den Wald hinein. Ich will das gar nicht ins Detail ausführen, denn diese Geschichte allein würde vermutlich schon zumindest für eine Kurzgeschichte reichen. Was mich daran verstörte, waren weniger die Geschehnisse an sich, sondern mehr die Tatsache, wie deutlich erkennbar das alles für mich war. Ich sah Schwerter aufblitzen, einen Durchgang zum Burginneren, schmale Nischen in den Burgmauern. Das ganze Areal war für mich so real, als wäre ich schon einmal dort gewesen. Also begann ich, nach dieser Burg zu recherchieren mit allen Details, die ich aus dem Traum hatte. Es hat mich Monate gekostet, mich durch etliche Internetseiten und Bildergalerien geführt, bis ich schließlich in einem Land landete, das ich bis dahin überhaupt nicht auf dem Schirm hatte: Schottland.

Ich klickte mich mal wieder durch eine Galerie von Burgen und Schlössern – und wer Schottland kennt, der weiß, wie viele dieser Gemäuer es dort gab und gibt – und plötzlich stockte mir der Atem. Nein, eigentlich hatte ich sogar eher das Gefühl des Wiedererkennens. Nicht so, wie man auf einem Foto etwas wiedererkennt, was man irgendwo anders schon mal gesehen hat. Sondern – erklärt mich für verrückt, wenn ich das so beschreibe, aber – es war, als würde ich mein Zuhause im Internet betrachten. Und in dem Moment war mir klar, dass ich wenigstens einmal in meinem Leben nach Schottland muss, um „meine Burg“, mein Castle Campbell zu besuchen.

Ich weiß nicht, ob das wirklich Erinnerungen an ein früheres Leben waren oder einfach nur außergewöhnlich lebhafte Träume. Ich habe auch nie herausgefunden, aus welcher Zeit diese Szenen stammen könnten, die ich gesehen habe. Aber ab dem Moment, in dem ich Castle Campbell gefunden hatte, fühlte ich mich merkwürdig verbunden damit.

Und als ich Jahre später nach einem Pseudonym für mich suchte und davon überzeugt war, dass Schottland die Heimat meiner Geschichten werden würde, da wusste ich, dass der Name dieser Autorin nur Campbell sein konnte.

Warum daraus dann Skye Campbell wurde und nicht etwa Fiona, Morag oder Isla, hat einen schon fast langweiligen Grund. Da ich mich einfach nicht entscheiden konnte, welcher der – übrigens von einer KI vorgeschlagenen – Vornamen am besten zu Campbell passte, wählte ich irgendwann einfach den Namen, den ich dem Hund der Protagonistin verpasst hatte. Skye.

Ich habe eingangs gesagt, wenn ich nochmal neu anfangen würde, würde ich diesmal bewusster darüber nachdenken. Geschichten gehören nicht immer an den Ort, für den man sich einmal entschieden hat. Manchmal passen die Gegebenheiten nicht. Manchmal fühlt es sich einfach nicht richtig an – und manchmal weigern sich die Figuren schlicht und ergreifend, dorthin zu ziehen. 🤭

Und so wurde dann aus Skye Campbell, die Liebesgeschichten der Highlands erzählen wollte, eine Autorin, die schon seit einer ganzen Weile im Harz gefangen gehalten wird. Hätte ich damals gewusst, dass mir die „deutschen Highlands“ fast genauso gut gefallen wie die schottischen, hätte ich mich wohl für einen etwas neutraleren Namen entschieden. Aber letztlich kommt es ja weniger darauf an, was auf dem Cover steht als darauf, was sich zwischen den Buchdeckeln befindet.

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