Eigentlich wollte ich nie Autorin werden. Oder besser gesagt: Ich konnte mir nie vorstellen, dass aus dem, was in meinem Kopf passiert, Romane werden könnten. Auch wenn ich schon immer gerne geschrieben habe.
Früher waren es seitenweise Einträge ins Tagebuch, Artikel für die Schülerzeitung – eine Weile habe ich sogar mit meiner besten Freundin eine eigene kleine Zeitung für unser Kleckerdorf verfasst. Wir waren gerade mal 12 oder 13, als wir die Idee für unser „Tageblatt“ hatten. Geschrieben auf einer alten mechanischen Schreibmaschine, mit selbstgemalten Wasserfarben-Bildern, verziert mit Stickern und zusammengehalten von geflochtenen Bändern aus Omas Sockenwolle.
Wenn mich damals jemand gefragt hätte, was ich später mal machen möchte, hätte ich vermutlich gesagt: Ich will Menschen mit Nachrichten versorgen. Geschichten recherchieren, über Ereignisse informieren und Artikel veröffentlichen. Hätte ich damals die Möglichkeit gehabt, hätte ich vermutlich sogar Journalismus studiert.
Doch das Leben hatte andere Pläne mit mir. Stattdessen erlebte ich viele dieser Geschichten selbst.
Gute und weniger gute.
Lustige und traurige.
Geschichten mit Happy End und solche, die nie ein Ende gefunden haben.
Ich erlebte Dinge, die nie die Chance hatten, zu einer Geschichte zu werden.
Und irgendwann begann ich, all diese Erlebnisse nicht nur zu
hinterfragen, sondern mir vorzustellen, wie mein Leben wohl verlaufen wäre,
wenn ich an der ein oder anderen Kreuzung links statt rechts abgebogen wäre. 🤭
Und jeden Abend, wenn es dunkel wurde, ich mir die Decke über meinen Kopf zog
und die Augen schloss, wurde ich zur Produzentin meiner eigenen Kopfkinofilme. Mal
waren es nur kleine Episoden, mal Filme in Überlänge – je nachdem, wie lange
ich brauchte, um einzuschlafen. All diese Geschichten wurden zu genau dem:
einer Einschlafhilfe. Auch heute noch.
Ich stellte mir vor, wie es gewesen wäre, woanders aufzuwachsen. Dachte darüber nach, wohin es mich geführt hätte, hätte ich einen anderen Beruf ergriffen. Malte mir aus, wie mein Leben heute aussehen würde, wäre ich in dem ein oder anderen Moment mutiger und selbstbewusster gewesen. All diese Kopfkinofilme haben auch heute noch eine Sache gemeinsam: Sie sorgen dafür, dass ich heute genau weiß, was ich will. Wie ich sein möchte, was ich von mir selbst und den Menschen um mich herum erwarte und wie ich mir mein Leben und die Liebe vorstelle.
Das alles erklärt aber ja natürlich noch nicht, wie aus der schüchternen, unscheinbaren Teenagerin schließlich eine Autorin wurde, die mittlerweile durchaus in der Lage ist, offen auf andere zuzugehen und sich nicht dafür schämt, zuzugeben, dass sie Liebesromane schreibt. Bis zu diesem Punkt war es nämlich noch ein ziemlich weiter Weg.
Angefangen hat das alles eigentlich damit, dass meine Ehe
nach 20 Jahren plötzlich in extreme Schieflage geriet und sich mein Kopfkino
nur noch mit der Frage beschäftigte, wie ich mir meinen Mann und unsere
Beziehung eigentlich vorstellte. Oder besser (und vor allem ehrlicher) gesagt,
flüchtete ich mich gedanklich in die Arme meiner ersten großen Liebe. 😳
Unabhängig
davon, dass ich ihn nie richtig kennengelernt habe und deshalb überhaupt nicht
sagen kann, ob er zumindest ansatzweise so ist, wie ich ihn mir vorgestellt
habe, hat er in diesem Film natürlich all meinen Ansprüchen nicht nur
entsprochen, sondern sie sogar noch übertroffen. Liebesgeschichten machen es
eben möglich. 🤷♀️
Er war nicht mal perfekt in diesem Kinofilm. Aber er brachte all
das mit, was mir an meinem Mann fehlte.
Und so entstand im Kopf die Geschichte, die ihr unter dem Titel „Weit entfernt von gestern“ kennt.
Ich hatte damals gar nicht vor, die Geschichte zwischen zwei
Buchdeckel zu pressen und sie zum Kauf anzubieten. Ja, ich wollte sie nicht mal
im Internet veröffentlichen. Alles, was ich wollte, war, sie nicht
nur in meinem Kopf zu haben, sondern sie aufzuschreiben und in Buchform in
mein eigenes Bücherregal stellen.
Ich hätte sie niemals einem Verlag
angeboten, denn dafür war und ist sie in meinen Augen überhaupt nicht gut genug.
Schließlich hatte ich nichts weiter getan, als meine Gedanken aufzuschreiben.
Weder hatte ich mir Gedanken über die Entwicklung meiner Figuren gemacht noch
darüber, ob die Geschichte in den Augen von Lesern überhaupt nachvollziehbar
war. Es war mir auch vollkommen egal, ob mir irgendjemand einen Vogel zeigt und
sagt: „Also, das funktioniert so aber nicht. Und an dieser und jener Stelle
hast du aber maßlos übertrieben.“ Also suchte ich mir eine Möglichkeit, es nur
für mich drucken zu lassen und landete so bei epubli.
Ich kann nicht mal genau sagen, warum ich das Buch nicht
unter meinem richtigen Namen drucken ließ. Vielleicht lag es daran, dass es
trotz allem irgendwo zum Verkauf angeboten werden würde. Vielleicht hatte ich
aber auch damals zumindest unbewusst ein bisschen im Hinterkopf, vielleicht
doch weiterzuschreiben. Zumal sich in meinem Kopf auch bereits die nächste
Geschichte festsetzte und ich bereits darüber nachdachte, sie aufs Papier zu
bringen.
Doch damit ins Rampenlicht treten? Niemals.
Tatsächlich war es mir
anfangs sogar peinlich, kein „normales“ Hobby zu haben. Andere werkeln in ihrer
Freizeit im Garten rum, fahren Fahrrad oder stricken Socken. Während ich oft
stundenlang vor dem Laptop sitze. Wollte ich das auch noch offen zur Schau
stellen? Nein, wollte ich nicht.
Also musste vorsichtshalber ein Pseudonym her.
Warum ich dafür nicht einen offensichtlich deutschen Namen gewählt habe,
sondern schließlich zu Skye Campbell wurde, das soll an dieser Stelle vorerst
offenbleiben. Das ist nämlich genug Stoff für einen späteren Beitrag.
Aus einem Buch wurden bald zwei, dann drei. Mittlerweile
stehen eine ganze Reihe Skye Campbell Bücher in meinem Regal und fast immer ist
gerade ein neues in Arbeit. Die Geschichten fliegen mir oft so spontan zu, dass
ich sie gar nicht so schnell erzählen kann, wie ich möchte.
Und noch eine Sache
hat sich verändert. Meine eigene Einstellung dazu.
Während meine ersten Romane
noch nur von meiner besten Freundin gelesen wurden, gesellten sich im Laufe der
Zeit weitere Leser dazu. Arbeitskollegen, Familie – und mittlerweile eine
beachtliche Anzahl an Followern im Internet. Ich behaupte nicht, die neue
Cecilia Ahern oder Jenny Han zu sein, aber offenbar gibt es doch eine Reihe an
Menschen, die gut finden, was ich schreibe. Und so ist auch die Resonanz der Personen in meinem Umfeld, die davon wissen, deutlich positiver, als ich
befürchtet hatte.
Und mit diesem Bewusstsein passierte schließlich auch das, weshalb es diesen Blog überhaupt gibt. Warum Skye Campbell nicht mehr nur eine Frau ist, die nach Feierabend ihre Kopfkinofilme in Romane verwandelt, sondern die sich im Laufe der Zeit damit eine Marke aufgebaut hat. Und der klargeworden ist, dass sie mit dem, was sie tut, andere Menschen erreichen kann. Wenn sie sich denn traut, wenigstens ein bisschen sichtbarer zu werden, als sie es in der Vergangenheit war.
Und darum würde ich euch hier – auf meiner Website und in meiner KopfKinoWerkstatt gerne ein Stück weit mitnehmen in meine Welt. Um euch nicht nur die fertigen Ergebnisse zu präsentieren, sondern auch zu zeigen, wie sie entstehen und was alles dahintersteckt.
Wenn ihr also nicht nur wissen möchtet, was in meinem Kopf entsteht, sondern auch, woher das alles kommt und wie die Autorin so tickt, dann freue ich mich darauf, euch in Zukunft mehr darüber erzählen zu können.
Herzlich Willkommen in der KopfKinoWerkstatt.
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